- Vom Second Brain zum Digital Twin: Warum Wissen allein nicht reicht
- Dein Digital Twin mit Obsidian und Claude Cowork
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Nach dem Second Brain nun also der Digital Twin. Im ersten Beitrag habe ich beschrieben, warum ein Second Brain zwar Ordnung schafft, aber noch keine Handlungsfähigkeit – und warum daraus der nächste Schritt entsteht: ein Digital Twin.
In diesem zweiten Beitrag zeige ich dir nun eine erste Möglichkeit, wie du einen solchen digitalen Zwilling aufbauen und betreiben kannst. Du nimmst dein Second Brain aus Obsidian und lässt Claude Cowork auf deine Obsidian-Files zugreifen.
Warum „lokal“ plötzlich wieder attraktiv ist
Für alle, die Obsidian noch nicht kennen: diese App ist sehr beliebt und wird gerne zum Aufbau von persönlichen Wissensarchiven genutzt.
Viele Workflows im Knowledge Management sind in den letzten Jahren stark cloud-getrieben geworden. Das ist bequem – aber es hat einen Preis: Abhängigkeiten, Export-/Import-Friktion, und oft auch Unsicherheit darüber, was mit den eigenen Daten passiert.
Obsidian dreht den Spiess um: Deine Notizen sind simple Markdown-Dateien auf deinem Rechner. Das ist raffiniert, denn das gibt dir gleich mehrere Vorteile:
- Die Dateien sind sicher, weil lokal gespeichert
- Du hast ein langlebiges, portables Datenformat (Markdown)
- Du kannst jedes Tool darauf loslassen, das mit Dateien arbeiten kann.
Und genau an dieser Stelle wird es in Kombination mit KI spannend.
Claude Cowork: KI-Tool für deine Dateien
Du kennst inzwischen sicher die chat-basierten KI-Anwendungen: Du fütterst Kontext, machst einen Prompt, bekommst Output, kopierst ihn irgendwohin. In ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity oder sonst in einem KI-Tool.
Claude Cowork geht nun einen Schritt weiter. Denn Cowork ermöglicht es, dass die KI auf deine Dokumente zugreift und diese auch bearbeitet.
Das tönt erst einmal gefährlich, und du solltest Claude Cowork darum auch mit gebührender Vorsicht benutzen. Tatsächlich kannst du die Zugriffe aber sehr gut überwachen und du musst auch immer wieder für einzelne Schritte deine Erlaubnis geben.
Claude Cowork verschiebt also den KI-Einsatz von „Antworten geben“ zu „mit Dokumenten arbeiten“.
Praktisch heisst das: Claude kann nicht nur über deine Inhalte sprechen, sondern sie direkt lesen, sortieren, umbenennen, vergleichen, verdichten – und daraus neue Dateien erstellen.
Das ist genau die Lücke zwischen Second Brain (passiv) und Digital Twin (aktiv): Nicht nur Wissen speichern, sondern Wissen in Handlungen übersetzen.
Praxis: Wie ein Digital Twin mit Obsidian + Claude Cowork funktioniert
Stell dir vor, du hast viele Notizen in Obsidian. Diese Notizen hast du dir aus dem Web zusammengetragen, hast sie selbst erstellt oder beim Lesen von Büchern und Artikeln aufgeschrieben. Jede Notiz ist eine Datei und Obsidian bietet dir die Oberfläche, um die Notizen zu organisieren, zu verknüpfen, zu sortieren, zu filtern. In Obsidian finden sich deine
- Projektnotizen (Kunden, Themen, Entscheidungen)
- Rohideen und Skizzen
- Bausteine (Formulierungen, Beispiele, Argumente)
- Begriffe/Definitionen (dein „Lexikon“)
- veröffentlichte Texte (als Referenz für Stil und Ton)
Das klassische Second Brain.

In Obsidian selbst kannst du über Plugins auch direkt KI-Tools einbinden und innerhalb der App nutzen. Das ist aber in der Praxis oft eine ziemliche Fummelei.
Warum also nicht ein KI-Tool wie Claude nutzen und damit auf die lokalen Obsidian-Dateien zugreifen?
- Claude liest die relevanten Notizen im Ordner (z.B. ein Themen-Dossier).
- Claude zieht passende Textbausteine und Beispiele heraus.
- Claude erstellt einen ersten Entwurf im gewünschten Format (z.B. Blogpost-Outline + Draft).
- Claude markiert Stellen, wo Fakten/Belege fehlen oder wo du einen Claim sauberer absichern solltest.
- Claude kann optional das Material „aufräumen“: Notizen umbenennen, doppelte Files zusammenführen, ein Dossier strukturieren.

Du arbeitest direkt mit deinem Wissenssystem in Obsidian (Suchen, Kopieren, Einordnen). Und wenn du Obsidian das nächste Mal öffnest, indiziert es die Dokumente sofort neu. Dein Wissensarchiv bleibt so intakt.
Warum das so elegant ist
Weil Claude ein extrem mächtiges Werkzeug ist!
Du kannst in Claude Projekte anlegen, in denen du bestimmte Instruktionen hinterlegen kannst. Du musst damit einen Workflow nur einmal einrichten und kannst ihn dann immer wieder abrufen.
Du kannst in Claude mit Skills arbeiten: Sage der KI ganz genau, wie sie mit Informationen umzugehen hat. In welchem Umfang, Stil und Tonfall sie schreiben soll. Mit welchem Branding sie kreativ werden soll. Mit welchen Fähigkeiten sie einen Prompt ausführen soll.
Du kannst in Claude coden. Erstelle Webseiten, Interaktionen, Experiences aus deinen Second-Brain-Wissen heraus. Plane Content. Erstelle Visuals. Bring die Inhalt in Form.
Du kannst in Claude recherchieren, Zusammenhänge entdecken, im Dialog Gedanken weiterentwickeln, dein Second Brain weiterentwickeln.
Das grosse ABER!
Mit diesem Setup, in dem Claude direkt auf deine Obsidian-Notizen zugreift, gibts du einen der grossen Vorteil von Obsidian auf: deine Daten sind zwar alle lokal. Mit Claude pumpst du sie aber in die Cloud.
Denn Claude läuft immer in der Cloud – auch wenn du die Claude Desktop App benutzt.
Das heisst: Achtung bei vertraulichen Daten!
Sei vorsichtig, welche Informationen aus deinem Second Brain du preis gibst. Kontrolliere immer genau, auf welche Files Claude zugreift und welche Inhalte in die Cloud geschickt werden.
Wenn du deine Daten schützen willst, dann darfst du keine Cloud-KI verwenden, sondern musst auf lokale KI-Modelle zugreifen. Zum Beispiel über Ollama oder LM Studio. Leider ist mir noch keine lokale KI bekannt, die im gleichen Rahmen mit den Dateien auf deinem Computer interagieren könnte, wie das Claude Cowork macht.

Fazit: Der eigentliche Shift ist nicht KI – sondern Arbeitsfluss
Der grosse Sprung ist hier nicht eine KI, die „bessere Texte“ schreibt.
Der grosse Sprung ist, dass KI in einen Workflow eingebettet wird, der wiederholbar ist – und der dein vorhandenes Wissen tatsächlich in Output verwandelt.
Obsidian liefert dafür die stabile Wissensbasis in Form von Markdown-Files.
Claude Cowork liefert die Werkstatt, um dieses Material aktiv zu bearbeiten.
Wenn du Lust hast, gehen wir als nächstes einen Schritt weiter und schauen uns an, wie sich derselbe Digital-Twin-Gedanke direkt in Notion umsetzen lässt – inklusive Rollen, Skills und Leitplanken. Mehr dazu im nächsten Beitrag.
Vom Second Brain zum Digital Twin
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