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Der Zwiebelfisch – er stinkt

Setzers Wissen – der Zwiebelfisch
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Der Zwiebelfisch ist ein falscher Buchstabe innerhalb eines Schriftsatzes. Er stammt ursprünglich aus der Zeit des materiellen Schriftsatzes. Drei verschiedene Arten dieses Tierchens waren damals verbreitet:

Die erste Art ist ein auf dem Kopf stehender Buchstabe. Anstelle der Type waren dann entweder ein Rechteck oder zwei Quadrate mit einer Rille in der Mitte zu sehen. Das Bild hängt von der Form des Bleibuchstabens (Letter) ab.

Die zweite Art ist ein Buchstabe aus einer anderen Schriftgattung, Schriftart oder Schriftschnitt. Das konnte durch falsche Sortierung der Buchstaben (Lettern) in den Setzkästen passieren. Oder durch Unaufmerksamkeit der Schriftsetzer, die durchaus auch mal in den falschen Setzkasten griffen.

Bei der dritten Art handelt es sich um einen in sich zusammengefallenen Schriftsatz. Da der Schriftsatz mit der Kolumnenschnur zusammengehalten und auf dem Setzbrett transportiert wird, kann es schon mal passieren, dass so ein ganzes Satzpaket verrutscht oder auseinander fällt.

Ein Setzer, der nicht besonders ordentlich arbeitet und der häufig Zwiebelfische im Schriftsatz fabrizierte, wurde übrigens Zwiebelfischkrämer genannt. Schimpf und Schande.

Doch Achtung! Auch wenn der materielle Schriftsatz oder einfach ausgedrückt, der Bleisatz, heute nur noch selten ist, die Zwiebelfische haben sich dem Zeitgeist angepasst und toben auch heute munter durch typografische Gestaltungen. Im digitalen Satz, bevorzugt auf Präsentationen, in Beiträgen oder auch auf Websites, breiten sie sich gerne aus. Ihr Schlupfloch nennt sich: „Copy-and-Paste“. Sie behalten einfach ihre Form aus der Ursprungsvorlage bei und nehmen sie unangepasst ins neue Dokument mit. Dort stiften sie typografische Verwirrung.

Noch was Geschichtliches

Von 1909 bis 1933 gab es eine Zeitschrift mit dem Namen „Zwiebelfisch“. Sie wurde vom Verleger Hans von Weber herausgegeben. Es handelte sich um eine „kleine Zeitschrift für Geschmack in Büchern und anderen Dingen“.

Und noch etwas weniger Wichtiges

Warum der Ausdruck „Zwiebelfisch“? Da ist der anders geartete Fisch 🐟🐟🐟🐡🐟🐟 – sozusagen das Durcheinander, welcher als ungewünschter Beifang im Fischernetz ebenso zu finden ist. Und dann die Zwiebel 🧅, die mächtig stinkt. Der Zwiebelfisch war sozusagen ein zum Himmel stinkender Fehler im Setzergewerbe. Bisschen drastisch, aber deutlich formuliert.

Über mich

  • Jana Schlosser

    Am liebsten gestalte ich Bücher. Schöne Bücher. Als gelernte Schriftsetzerin mit großer Affinität zur Typografie und studierte Grafikdesignerin mit Liebe zum Konzept biete ich feine Buchgestaltung und gestaltende Beratung von Marken.

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Diskussion

3 Antworten

  1. Sehr schöner Beitrag, vielen Dank.
    Jetzt kenne ich auch den Fachbegriff zu den typografischen Fehlern, die ich mir oft in Präsentationen anschauen muss … 😀

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