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Die Sache mit den Apostrophen

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Es ist ein kleiner Strich, aber mit grosser Wirkung. Denn je nachdem wo und wie man den Apostroph setzt ist er vor allem eines: richtig oder falsch.

Berufsbedingt kommen mir eine Menge Texte in verschiedenen Sprachen unter. Und der mit am häufigsten gesichtete Fehler überhaupt ist der falsche Apostroph. Das liegt hauptsächlich glaub an zwei Dingen. Zum einen wissen es die Leute einfach nicht besser, zum anderen kennt man das korrekte Tastaturkürzel dafür nicht. Dann gibt es da noch die Sprachunterschiede… ist also schon etwas kompliziert die ganze Angelegenheit.

Wie geht das jetzt?

Auf dem PC: ALT + 0146
Auf dem MAC:
ALT + UMSCHALT + ! oder ALT + UMSCHALT + # (je nach Tastatur)
Oder einfach über das Glyphenfenster das korrekte Zeichen auswählen.
Klappt immer.

Generell ist mal zu sagen, dass der kerzengerade Apostroph bei uns nichts zu suchen hat. Und Akzente sind keine Apostrophen, auch wenn sie einem Accent aigu oder einem Accent grave sehr ähnlich sehen! In den meisten Schriften ist die korrekte Anwendung entweder ein hochgestelltes Komma oder in Form einer kleinen Neun. Häufig wird er aber auch als schräger Strich dargestellt, der von oben nach unten dünner wird und sich von oben rechts nach unten links neigt. Alles andere gehört hier nicht hin.

Meistens entsteht der Fehler schon beim Übersetzen der Texte in einer Agentur, der Rohtext landet dann im Layout, und der Fehler dann auf dem fertigen Druck. Da sich glaub 99% der Beteiligten gar nicht bewusst sind, dass es ein Fehler ist kümmert es auch niemanden. Bis, ja bis dann ein findiger Leser drauf hinweist und das ganze Druckmaterial nochmals neu erstellt wird, was natürlich unnötige Kosten generiert.

Drum hier mein Aufruf an all die Typografischen Gestalter, Polygrafen und ja, auch an die Grafiker da draussen: achtet doch etwas mehr auf das kleine Strichchen und gebietet damit der typografischen Verrohung Einhalt. Beim Unterschneiden und Sperren haben wir den Kampf glaub schon verloren. Auch Hurrenkind und Schusterjunge sind in der breiten Masse glaub längst akzeptiert. Aber den korrekten Apostroph können wir noch retten. Ich zähle auf euch, wünsche schöne Festtage und einen schwungvollen Start ins neue Jahr. Und zwar mit dem Schwung auf die richtige Seite 😉

Bildquelle: www.sabineschlimm.de

Über mich

  • Matthias Frischknecht

    Als quasi eierlegende Wollmilchsau unter den Polygrafen deckt Matthias so ziemlich jeden Bereich ab, den der Beruf hergibt. In über 20 Jahren als Gestalter hat er dabei von kleineren Satzstudios, über Verlage bis hin zu grossen Werbeagenturen alles mitgenommen. Immer wieder mal auch in leitenden Positionen der Druckvorstufe, was ihn schliesslich zu AMAGOO führte, wo er heute als Vorstufenspezialist für Verpackungen dafür sorgt, dass Entwürfe auch bestmöglich in den verrückten Flexodruck rüber gerettet werden. Und diese Expertise gibt er ab sofort gerne an alle Leser des Blogs weiter.

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Diskussion

9 Antworten

  1. Danke für diesen wichtigen Beitrag!
    Hab mir so eine kleine Hilfe gebastelt (Mac-Kurzbefehle):

    Schweiz/Frankreich: «Wort»
    « : alt Komma
    » : alt shift Komma
    ‹ : alt shift 3
    › : alt shift n, geht nur mit deutscher Tastaturbelegung

    Deutschland/Österreich: „Wort“ (99 unten, 66 oben)
    „ : alt shift w (99 unten), geht nur mit deutscher Tastaturbelegung
    ” : alt shift 2 (99 oben)
    “ : alt 2 (66 oben)

    , : Komma
    ’ : alt shift [Umlaut]
    ‘ : alt [Umlaut]
    oder »Wort«

    Amerika/England: “Wort” 66 99 oben oben

  2. Was ich im dritten Jahrtausend nicht verstehe, ist warum die Gestaltungssoftware das nicht automatisch regelt. Wenn ich in InDesign einen als Deutsch (Deutschland) formatierten Absatz habe und Anführungszeichen (Shift-2) tippe, benutzt er automatisch die typographischen An- und Abführungszeichen. Beim Hochkomma (Shift-#) _sollte_ das auch so sein, weiß ich aber nicht mehr. Word tut glaube ich Ähnliches. Im Grunde ist das aus meiner Sicht die Aufgabe der Software, nicht des Benutzers.

    Obacht: Es gibt viele gute Gründe, die Leute auf ” und ‘ zu trainieren und den Rest die Software erledigen zu lassen – wenn man beispielsweise programmiert, dürfen die beiden Zeichen z.B. keinesfalls typografisch umgesetzt werden, weil der Code sonst nicht mehr läuft oder kompiliert, je nach Sprache. Man kann das also nicht einfach ganz unten auf Betriebssystem-Ebene erzwingen. Apple hat solche Funktionen in macOS, erlaubt aber einzelnen Applikationen offenbar, das bewusst abzuschalten (z.B. TextEdit oder Visual Studio Code), während z.B. Outlook die typografischen Korrekturen und Textersetzungen des Betriebssystems verwendet.

  3. Ja, so ist es, Danke, in osteuropäischen Sprachen wird es noch differenzierter… Leider verstehen viele nicht, welchen Unterschied es macht.

  4. Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt. Danke für diesen Beitrag. Ich werden ihn unserem Innendienst auch mal wieder zu kommen lassen, da diese sich immer nerven, wenn ich gelieferte PDFs auf Mikrotypografie korrigiere. Meine Lernenden (Polygrafen) trichtere ich immer noch alles ein. Ich will nicht, dass wir uns an die Huren- und Waisenkinder gewöhnen.
    Sonst stirbt unser Beruf noch ganz aus…
    Liebe Grüsse

  5. Danke, jetzt fühle ich mich auch weniger allein. Wünsche eine gute Weihnachts- und Jahreswechselzeit … und vorallem Zeit um Zeit zu haben.

  6. Immerhin sind wir schon vier Personen, welche gegen falsche Apostrophs ankämpfen! Fünf, wenn wir meinen Mann – KV-Mensch ohne typografische Kenntnisse – dazuzählen, der sich brav an meine Anweisungen hält… 🙂

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