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Eine Frage der Ausrichtung – die Satzarten

Eine Frage der Ausrichtung – die Satzarten
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Die Satzart beschreibt eine Methode, die Zeilen eines Textblocks am Rand oder der Mittelachse auszurichten. Dabei wird zwischen Flattersatz, Rauhsatz und Axialsatz unterschieden. Alle weisen einen gleichmäßigen Wortzwischenraum auf.

Im Flattersatz wird zwischen asymmetrischem und symmetrischem Satz unterschieden. Asymmetrisch kann eine links- oder rechtsbündige Ausrichtung haben. Der symmetrische Flattersatz ist zentriert auf der Mittelachse.

Gibt es keine Silbentrennung, wird von Flattersatz gesprochen. Werden Silbentrennungen im Text zugelassen, heißt er Rauhsatz. Aufgrund der Trennungen gleichen sich die Zeilenlängen stärker aneinander an. Es flattert hier also weniger.

Gleichbleibende Zeilenlängen werden als Blocksatz bezeichnet. Hier dient der variable Wortzwischenraum zum Ausgleichen der Wörter auf die gesamte Satzbreite.

Eine spielerische Satzart ist der Formsatz. Hier folgen die Zeilen einer begrenzenden Kontur.

Es gibt dann auch noch kaufmännischen und wissenschaftlichen Formelsatz. Doch den lassen wir hier einfach außen vor.

Satzarten wurden übrigens nicht nur nach ihrer Zeilenausrichtung, sondern auch ihrem Verwendungszweck unterschieden. Dieser gliederte sich in drei Hauptgruppen: Mengensatz (Bücher, Broschüren, Zeitungen und Zeitschriften), Akzidenzsatz (Privat- und Geschäftsdrucksachen) und Reihensatz (Tabellen, Übersichten, Formulare).

Im Digitalen müsste heute wohl noch der Website-Satz hinzukommen. Ideen für eine schöne Bezeichnung?

Eine schöne Form zum optischen Ausgleich der Satzkanten stellt im heutigen Digitalsatz der Randausgleich dar. Das war im physischen Bleisatz aufwändiger. Hier waren Buchstaben mit viel Fleisch unterschnitten und gingen dadurch über die Satzkante hinaus.


Technische Tipps

(von Heike Burch, Co-Autorin)

In InDesign gibt es deutlich mehr Variationen als oben beschrieben. Was sich oben so einfach liest, für das ist ein gerütteltes Mass aus Einstellungen der Satzeinstellungen, Sprache und Silbentrennung verantwortlich. Ich versuch’ mal, diese aufzulisten. Zudem stelle ich die Satzarten jeweils in den Absatzformaten ein. Selbstverständlich kannst du das auch in der Eigenschaften-Palette tun, nur dann musst du bei allfälligen Anpassungen immer und immer wieder per Hand an jeden einzelnen Absatz.

Flattersatz

Flattersatz, wie Jana oben beschreibt, ist ohne Silbentrennung. Das ist in den Redaktionen und Agenturen oft unbekannt. Hier wären die Einstellungen dazu im Absatzformat:

Eingestellt wird das hier: Einzüge & Abstände > Linksbündig oder rechtsbündig und: Silbentrennung deaktiviert

Flattersatzausgleich: Auf Englisch heisst diese Funktion «Balance ragged lines», was sinngemäss als «ungleichmässige Zeilen ausgleichen» übersetzt werden kann. Sie zielt darauf ab, im Flattersatz grosse Unterschiede zwischen kurzen und langen Zeilen zu minimieren. Bei normalen Absätzen ist dies jedoch oft nachteilig: InDesign versucht, die meist kurze letzte Zeile des Absatzes auszugleichen, wodurch die anderen Zeilen verkürzt werden und insgesamt mehr Unruhe entsteht. Die Option ist hingegen bei mehrzeiligen Zwischentiteln oder eingefügten Zitaten sinnvoll. Diese sollen optisch als Einheit wirken und müssen die Zeile nicht vollständig füllen.

Rauhsatz

Eingestellt wird das hier: Einzüge & Abstände > Linksbündig oder rechtsbündig und: Silbentrennung aktiviert. In den Redaktionen und Layoutabteilungen spricht man hier allerdings auch von Flattersatz oder einfach nur von Linksbündig.

Hierzu kommt die Definition der Sprache, denn InDesign muss wissen, nach welcher Sprache silbengetrennt werden soll. Zur Silbentrennung weiter unten mehr.

Axialsatz (Ausrichtung zentriert)

Einstellung an derselben Stelle. Hier gibt es nicht viel mehr zu schreiben, die Einstellungen sind ähnlich dem Rauh- und Flattersatz. Einzüge & Abstände > Zentriert

Blocksatz

Der Blocksatz hat nochmal so seine Eigenheiten. Hier muss nach Sprache getrennt und zusätzlich müssen die Abstände zwischen den Wörtern aufgeteilt werden. Die letzte Zeile darf «ausgetrieben», also komplett ausgefüllt sein oder aber links-, rechtsbündig oder zentriert stehen.

Einzüge & Abstände > Blocksatz…

Blocksatz ohne Silbentrennung ist eher ungünstig, deswegen immer auch die Silbentrennung a) aktivieren und b) feineinstellen (siehe unten).

Mit dem «Optischen Randausgleich» können Satzzeichen wie Punkt, Komma, Gedankenstrich oder Trennstrich am Ende einer Zeile ein wenig nach rechts über den Rahmen hinausragen, um ein harmonischeres Blocksatzbild zu erzeugen. Diese Funktion ist besonders nützlich bei aufeinander folgenden Trennstrichen am Zeilenende und optimiert so Lesbarkeit und Ästhetik des Schriftsatzes. Diese Technik wurde bereits im Handsatz und Bleisatz verwendet.

Zudem lohnt hier ein Blick in die Satz-Feineinstellungen: Je nach Sprache und verwendeter Schrift stelle ich hier ein bisschen mehr und weniger ein. (Typograf*innen bitte ich, diese Screenshots zu überspringen!)

Über den Absatz- oder Einzeilensetzer lässt sich vortrefflich streiten. Als Faustregel gilt: Absatzsetzer macht den schöneren Blocksatz, Einzeilensetzer erleichtert die Arbeit der Schlussredaktion und des Korrektorates. Ich definiere meinungsfrei nach endlosen Diskussionen mit Kund*innen so, wie sie es wünschen.

Silbentrennung

Na klar, muss InDesign wissen, wie getrennt werden soll. Dazu benötigt es eine Einstellung der Sprache. Und das unabhängig von Rauh-, Axial- oder Blocksatz.

Weiter geht es mit der Feinjustierung: wie lang, also wie viel Zeichen muss ein Wort haben, um überhaupt getrennt zu werden? Wie oft darf in Folge getrennt werden, wie viele Zeichen muss die erste und die letzte Silbe haben und wie gross soll der Trennbereich sein?

Die Bedeutung der Trennbereich-Einstellung ist nicht sofort ersichtlich. Der Trennbereich gibt an, wie breit (in mm) der Bereich am Zeilenende sein darf, in dem Trennungen vorgenommen werden können. Nur für Rauh- und Flattersatz, nicht für Blocksatz. Bei der Einstellung von 0 mm muss InDesign den gesamten verfügbaren Platz bis zum Zeilenende nutzen. Bei einer Einstellung von mehreren Millimetern hat InDesign mehr Flexibilität für Trennungen. Es ist empfehlenswert, die Vorschau zu aktivieren, um das Ergebnis sofort überprüfen und testen zu können.

Zudem kannst du generell einstellen, ob du lieber die Abstände zwischen den Wörtern oder lieber die Anzahl der Trennungen optimieren willst.

Und seit einigen Versionen ist in der deutschen InDesign-Version der Duden vorhanden. Der bietet vier Trennstile an.
Adobe schreibt dazu:

AlleHiermit sind auch Trennungen zulässig, die zwar nicht gegen die Rechtschreibregeln verstossen, aber sinnentstellend sein können. Zum Beispiel sind sowohl Ur-ins-tinkt als auch Ur-in-s-tinkt korrekt.
Alle außer unästhetischeAls Trennstellen kommen alle regelgerechten Stellen infrage (z. B. ist Ur-ins-tinkt zulässig, Ur-in-s-tinkt jedoch nicht.
ÄsthetischeEs werden ausschliesslich Trennungen eingefügt, die als ästhetisch definiert sind (z. B. Auto-bahn, nicht aber Au-tobahn). Ästhetische Trennungen orientieren sich an Wortgrenzen und Sinneinheiten.
Bevorzugt ästhetischeNeben Wörtern mit definierten ästhetischen Trennstellen (s. u.) werden auch längere Wörter (ab sechs Zeichen) getrennt, für die keine ästhetische Trennstelle definiert ist. Zum Beispiel wird Napoleon is als Na-po-leon getrennt, obwohl keine ästhetische Trennstelle definiert ist.

Am Bund und nicht am Bund

Hier richtet sich der Flatter- oder Rauhsatz am Bund aus. Entweder eben «hin zum Bund» oder «weg vom Bund». Ich nutze das oft bei Marginalspalten oder Kolumnentitel.

Ausrichtung des Marginal-Textes der Hauptkolumne zugewandt (InDesign sagt hierzu: Ausrichtung: Am Bund).

Ausrichtung des Kopfzeilen-Textes aussen, InDesign sagt hierzu: Ausrichtung: Nicht am Bund.

Falls du noch weitere Einstellungsmöglichkeiten gefunden hast, ich bin neugierig. Schreib es in die Kommentare!


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Ein Kommentar

  1. Das ist wieder einmal ein sehr guter Beitrag. Vielen Dank an die Autorinnen.
    Vielleicht könnte man noch einen kleinen Hinweis aufnehmen, der dann relevant wird, wenn man deutsche Texte in schmalen Spalten im Blocksatz setzen muss.
    Bei den Satz-Feineinstellungen gibt es die Position „Einzelnes Wort ausrichten“. Nach der Installation des Programms steht dort leider „Blocksatz“. Besser wäre aber die Einstellung in „Linksbündig ausrichten“ zu ändern, wie es auch in einem Screenshot des Beitrags hier zu sehen ist.

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