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In Stein gemeißelt – die Kapitälchen

Kapitälchen sind kleine Großbuchstaben
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Kapitälchen ist ein Schriftstil, der die Kleinbuchstaben (Minuskeln) in Form von Grossbuchstaben (Majuskeln) darstellt. Abgeleitet wurden sie aus der „Capitalis monumentalis“, die nur aus Majuskeln (umgangssprachlich Versalien) bestand. Seit ca. dem 16. Jahrhundert werden Kapitälchen ganz allgemein zur typografischen Auszeichnung eingesetzt. Es gibt sie sowohl in Antiquaschriften als auch in Groteskschriften.

Mit Kapitälchen, also kleineren Großbuchstaben, lassen sich besonders gut leise Hervorhebungen gestalten.

Ihre Größe ergibt sich aus dem sogenannten Dreiliniensystem. Die Abstände entsprechen nicht dem 70%-Größenverhältnis, das oft digital voreingestellt ist. Majuskeln und Minuskeln sind in ihrer Schriftstärke aufeinander abgestimmt, wobei sich der Duktus (die Stärke) an den Proportionen der Minuskeln orientiert. Das klingt ein bisschen verwirrend, denn obwohl es sich um Gross- und Kleinbuchstaben handelt, sind alle Buchstabenformen Grossbuchstaben (Versalien).

Leider verfügen nur sehr wenige Fonts über echte Kapitälchen-Schriftschnitte. Vielfach finden deshalb „falsche Kapitälchen“ Verwendung. Diese sind vom Computer automatisch generiert, aber unästhetisch und schlecht lesbar. Durch die Verkleinerung der Minuskel-Buchstaben wird die Linienstärke prozentual mit verkleinert. So wirken die Majuskeln dicker als die Minuskeln. Auch ist die Höhe der Minuskeln nicht entsprechend den „echten“ Kapitälchen generiert (siehe Titelbild).

Deshalb ist in Stein gemeisselt

🏛️ Nutze Kapitälchen ausschließlich im originalen Schriftschnitt!

Ganz allgemein sind Texte, die in Versalien oder Kapitälchen gesetzt sind, durch leichtes Sperren besser lesbar. Das bedeutet, dass du den Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben vergrößerst. Auf das Thema Spationieren/Sperren gehen wir in unserem nächsten Beitrag näher ein.


Technische Tipps

(von Heike Burch, Co-Autorin)

Am besten sind natürlich Fonts, die echte Kapitälchen mitbringen. Das kannst du ganz einfach hier erkennen:

  1. In der Glyphenpalette schaust du im Menü, ob überhaupt Kapitälchen auswählbar sind.
  2. Im Menü der Zeichen (Schrift > Zeichen), dort klickst du dich zu den Opentype-Funktionen durch und schaust, ob dort die Kapitälchen ohne eckige Klammer vorhanden sind. Ist dort Kapitälchen in eckigen Klammern gesetzt, berechnet InDesign aus besagten 70 % eine Art Pseudo-Kapitälchen.

Wenn du folgende Einstellungen (egal ob über die Eigenschaften-Palette oder über Absatz- oder Zeichenformate) vornimmst, nimmt InDesign entweder die von der Schrift vorgefertigten Kapitälchen oder fertigt diese eben selbst an. Letzteres ist eben nicht zu empfehlen. Aber du musst selbst darauf achten, InDesign gibt dir keine Warnung.

Eigenschaften-Palette

Definition über Absatzformate

Definitionen der Kapitälchen, wenn die Schrift keine echten mitbringt.

Die Kapitälchen kann man pro Dokument (bei geöffnetem Dokument) oder für alle neuen Dokumente (bei geöffnetem InDesign, ohne jedoch ein Dokument geöffnet zu haben) einstellen. Die %-Angabe bezieht sich auf die jeweils verwendete Schriftgrösse und definiert die Höhe der x-Höhe, also der Kleinbuchstaben. Alle «echten» Grossbuchstaben (grossgeschriebene Wort- und alle Satzanfänge beispielsweise) im Text bleiben in der Höhe unverändert.


Kleines Nebenbei-Wissen: Bitte sage Kapitääälchen, nicht Kapitellchen 😉


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    InDesign verstehen. Und dann Qualität erzeugen. Ist es das, was Du suchst? Ich bringe Ordnung in deine InDesign-Dateien. Oder zeige dir, wie du selbst die besten Templates und Vorlagen erstellen kannst. Bei mir bist du richtig, wenn: deine InDesign-Dateien komplexer werden und du Hilfe brauchst // du den Dingen in InDesign auf den Grund gehen willst (also einen Workshop oder ein Seminar brauchst) // du deine Ruhe haben willst und Arbeit und/oder Verantwortung abgeben möchtest, aber die Qualität sehr gut bleiben oder werden soll?

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Diskussion

3 Antworten

  1. Lieber Achim Trumpfheller und lieber Otto Hablizel,
    vielen Dank für das aufmerksame Lesen und eure Kommentare. Da hat sich leider ein Verdreher eingeschlichen. Denn genau: die Kleinbuchstaben sind fachsprachlich Minuskeln. Im weiteren Textverlauf sind sie auch richtig benannt.
    Ich habe den Artikel jetzt entsprechend korrigiert.
    Danke und schöne Grüße, Jana

  2. Erster Absatz: Majuskeln sind Großbuchstaben (Versalien) Minuskeln sind Kleinbuchstaben. So habe ich das gelernt.

    Viele Grüße aus Stuttgart

  3. Klugscheiß-Modus:
    Kleinbuchstaben heißen Minuskeln, Großbuchstaben Majuskeln. Versalien sind im Grunde dasselbe wie Majuskeln, aber in der täglichen Verwendung würde ich es verwenden, wenn ich von ausschließlich groß geschriebenen Texten (also “in Versalien” oder “versal”) spreche. 🙂

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