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Für kritische Kombinationen – das Kerning

Kerning heißt Unterschneiden
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Es gibt kritische Buchstabenkombinationen, die ohne optischen Ausgleich unästhetisch nebeneinander stehen. Das betrifft vorrangig Versalien mit viel Fleisch, als Buchstaben wie W, A, V, L.

Im physischen Bleisatz war es gar nicht so leicht, Versalien optisch schön auszugleichen. Um ein gleichmäßiges Schriftbild zu erwirken, mussten kritische Buchstabenkombinationen gesperrt werden (sogenannter Sperrsatz). Erst bei größeren Schriftgraden, bei denen die einzelne Letter eben auch größer ist, wurden die Kegel so angeschnitten, dass z.B. Serifen über den vorherigen oder nachfolgenden Buchstaben hineinragten. Bei kleineren Schriftgraden nutzte man im physischen Bleisatz Ligaturen, um Buchstaben mit ausgeglichenem Abstand zu kombinieren.

Das Kerning ist das englischsprachige Pendant zum deutschen Unterschneiden. Es bezeichnet die automatische Einstellung der Buchstabenabstände im Computersatz, bei denen sogenannte Kerningpaare hinterlegt sind. Eine fein abgestimmte Schrift hat so in jeder möglichen Buchstabenkombination die bestmögliche Abstandsdefinition voreingestellt.

Trotzdem kann es passieren, dass diese nicht immer in optisch schön ausgeglichener Typografie daherkommt. Die nachträgliche manuelle Anpassung der Abstände zwischen einzelnen Buchstaben wird als Ausgleichen bezeichnet.

Das Kerning bezieht sich also auf jeden einzelnen Buchstabenzwischenraum, der
– im physischen Bleisatz von der Letter bestimmt wird,
– im Computersatz voreingestellt ist, oder
– manuell nachträglich optisch ausgeglichen wird.

Im Grunde gar nichts hat damit die Laufweite zu tun. Diese betrifft auch den Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben, bezieht sich aber auf die voreingestellte Schriftlaufweite. Ausgehend von der Grundeinstellung innerhalb eines Fonts kann ich am Computer eine Schrift auch schmaler oder weiter laufen lassen, indem ich den Zeichenabstand von 100 Prozent auf 80 Prozent reduziere oder 120 erweitere. (Ich bin darauf auch schon beim Spatium eingegangen.) Das ist manchmal außerordentlich nützlich, um im Buchsatz diverse Hurenkinder oder Schusterjungen von Textseiten zu verbannen.


Technische Tipps

(von Heike Burch, Co-Autorin)

Zur Laufweite haben wir ja im letzten Beitrag schon geschrieben, diesmal möchte ich nur auf den Unterschied zwischen optischem und metrischem Kerning eingehen.

Zuerst einmal kann man das an verschiedenen Stellen einstellen: in der Eigenschaften-Palette, in den Absatz- und Zeichenformaten.

MOLIRI. Heike Burch
Für kritische Kombinationen – das Kerning
MOLIRI. Heike Burch
Für kritische Kombinationen – das Kerning
MOLIRI. Heike Burch
Für kritische Kombinationen – das Kerning

In der Regel sorgt der Font-Designer beim Entwurf einer Schrift für das richtige Kerning. Das metrische Kerning nutzt die Kerning-Paare, die in vielen Schriftarten standardmässig vorhanden sind und die den Abstand spezifischer Buchstabenkombinationen festlegen. Solche Kombinationen umfassen beispielsweise: LA, P., To, Tr, Ta, Tu, Te, Ty, Wa, WA, We, Wo, Ya und Yo. (Quelle Adobe)

Standardmässig wird in InDesign das metrische Kerning angewendet, was bedeutet, dass der Abstand bestimmter Buchstabenpaare beim Importieren oder Tippen von Text automatisch angepasst wird.

Falls das metrische Kerning unerwünscht ist, muss statt optisch oder metrisch die Option «0» eingestellt werden.

Das optische Kerning passt hingegen den Abstand zwischen benachbarten Buchstaben basierend auf deren Form an. Obwohl einige Schriftarten spezifische Vorgaben für Kerning-Paare beinhalten, kann das optische Kerning verwendet werden, wenn eine Schriftart nur minimales oder kein Kerning aufweist oder wenn Sie innerhalb einer Zeile mindestens ein Wort mit zwei verschiedenen Schriftarten oder -Grössen setzen. InDesign überschreibt bei der Anwendung «Optisch» die Kerning-Werte eines Fonts mittels einer eigenen Buchstaben-Kombinations-Liste.

Merke:

  • Metrisches Kerning kommt aus der Schrift und wird vom Fontdesigner definiert
  • Optisches Kerning wird in InDesign von InDesign definiert
  • Kein Kerning erreicht man mit der Einstellung «0»

Normalerweise sollte man bei gekauften (und damit hoffentlich guten) Fonts davon ausgehen können, dass das Kerning gut definiert wurde. Also versuche ich es zuerst immer mit metrisch.

Sollte mir das nicht passen, stelle ich auf optisch um und schaue mir die Ergebnisse an. Erst danach würde ich numerische Eingaben bevorzugen.

Jedoch gibt es Ausnahmen, bei grösseren Titeln zum Beispiel oder bei Schreibschriften muss immer, und ich meine wirklich immer, getestet werden, welches Schriftbild das Schönere ist.


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Über uns

  • Jana Schlosser

    Am liebsten gestalte ich Bücher. Schöne Bücher. Als gelernte Schriftsetzerin mit großer Affinität zur Typografie und studierte Grafikdesignerin mit Liebe zum Konzept biete ich feine Buchgestaltung und gestaltende Beratung von Marken.

  • Heike Burch

    InDesign verstehen. Und dann Qualität erzeugen. Ist es das, was Du suchst? Ich bringe Ordnung in deine InDesign-Dateien. Oder zeige dir, wie du selbst die besten Templates und Vorlagen erstellen kannst. Bei mir bist du richtig, wenn: deine InDesign-Dateien komplexer werden und du Hilfe brauchst // du den Dingen in InDesign auf den Grund gehen willst (also einen Workshop oder ein Seminar brauchst) // du deine Ruhe haben willst und Arbeit und/oder Verantwortung abgeben möchtest, aber die Qualität sehr gut bleiben oder werden soll?

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Diskussion

Eine Antwort

  1. Liebe Jana, liebe Heike,
    ich liebe diese Beiträge, obwohl ich da ein absoluter Laie bin und alles mehr oder weniger nach Hausverstand und Augenmaß gestalte.
    Gibt es diese Serie, die ihr hier veröffentlicht, eigentlich auch als Gesamtwerk – z. B. als E-Book oder gar als Buch?
    Falls nein, gibt es Pläne, das in absehbarer Zeit zu realisieren?
    Ich würde mich sehr darüber freuen.
    Viele Grüße
    Ernst

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