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Wissensarbeiter und KI: Denken oder denken lassen? (Microsoft-Studie, 2025)

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Neulich wurde eine neue Studie veröffentlicht, die man als Wissensarbeiter meiner Meinung nach kennen sollte. Microsoft und die Carnegie Mellon University haben untersucht, wie generative KI (GenAI) das kritische Denken von Wissensarbeitern beeinflusst (die ganze Studie ist als PDF veröffentlicht). Die Ergebnisse sind aufschlussreich. Die Grundlage der Studie ist die Tatsache, dass der Einsatz von KI den kognitiven Aufwand reduziert.

Vor- und Nachteile von KI für Wissensarbeitende

Natürlich gibt es in der Anwendung von KI viele Vorteile. Zum Beispiel:

  • Effizienzsteigerung: KI automatisiert Informationsbeschaffung und -organisation (z. B., Marktforschung), spart Zeit.
  • Problemlösung: KI liefert kontextbezogene, personalisierte Lösungen.
  • Automatisierung: KI automatisiert die Erstellung von Dokumenten, E-Mails, Code.
  • Personalisiertes Feedback: KI bietet Feedback, das sonst schwer zugänglich wäre.

Es gibt aber auch Nachteile, die nicht wegzureden sind:

  • Weniger kritisches Denken: Höheres KI-Vertrauen kann zu weniger kritischer Reflexion führen.
  • Überprüfung von Fehlinformationen: KI-generierte Informationen müssen auf Richtigkeit überprüft werden, was Aufwand bedeutet.
  • Integrationsaufwand: KI-Antworten müssen oft bearbeitet und in den Arbeitsablauf integriert werden.
  • Atrophie kognitiver Fähigkeiten: Weniger Übung von Urteilsvermögen kann kognitive Fähigkeiten schwächen.
  • Übermässige Abhängigkeit: KI kann zu übermässiger Abhängigkeit führen und unabhängiges Problemlösen beeinträchtigen.

Wie verändert KI unsere Denk- und Arbeitsweise laut der Studie?

Laut der Studie gibt es nicht nur eine Verringerung des kognitiven Aufwands, sondern vor allem eine Verschiebung der Arbeitsweisen (Kapitel 4 in der Studie):

  • Von Informationsbeschaffung zu Informationsverifizierung
    Was früher zeitaufwändig war (Informationen finden), wird durch KI vereinfacht. Stattdessen investieren wir jetzt Zeit in die kritische Prüfung der KI-Ergebnisse – eine völlig neue Kompetenzanforderung.
  • Von Problemlösung zur Antwortintegration
    Nicht mehr das «Wie löse ich das?» steht im Vordergrund, sondern das «Wie nutze ich diese Antwort sinnvoll?» – ein fundamentaler Wandel in unserem Arbeitsansatz.
  • Von Ausführung zu Stewardship
    Die Rolle des Menschen verändert sich vom Ausführenden zum Dirigenten eines KI-Orchesters – mit allen Verantwortungen, die dazugehören.

Die Ergebnisse der Studie zeigen:

Menschen mit mehr Selbstvertrauen hinterfragen KI-Ergebnisse stärker, während Menschen mit hohem Vertrauen in KI weniger kritisch sind.

Es gibt auch Konsequenzen und Gefahren für Wissensarbeitende:

  • Höheres Selbstvertrauen fördert kritisches Denken: Nutzer, die mehr Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, wenden auch bei der Nutzung von KI mehr kritisches Denken an.
  • Risiko der Abhängigkeit und Atrophie: Die Bequemlichkeit von KI kann zu einer übermässigen Abhängigkeit führen, was langfristig die eigenen Fähigkeiten zum unabhängigen Problemlösen beeinträchtigen kann15 …. Durch die Verlagerung routinemässiger Aufgaben auf KI gehen Übungsmöglichkeiten für kognitive Fähigkeiten verloren.
    In Bainbridge’s „Ironies of Automation“ heisst es dazu (Zitat aus der Studie): «Die Ironie der Automatisierung besteht darin, dass durch die maschinelle Bearbeitung von Routineaufgaben und die Überlassung der Behandlung von Ausnahmen an den menschlichen Benutzer diesem die Möglichkeit genommen wird, sein Urteilsvermögen zu trainieren und seine kognitive Muskulatur zu stärken, so dass er verkümmert und unvorbereitet ist, wenn die Ausnahmen auftreten.»
  • Neue kognitive Anforderungen: Die Nutzung von GenAI schafft neue kognitive Aufgaben: «Der Einsatz von GenAI in der Wissensarbeit schafft neue kognitive Aufgaben für Wissensarbeiter. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die Integration von Antworten. Wissensarbeiter müssen KI-generierte Inhalte bewerten, um ihre Relevanz und Anwendbarkeit für ihre spezifischen Aufgaben zu bestimmen, wobei sie oft den Stil und den Tonfall an den beabsichtigten Zweck und die Zielgruppe anpassen müssen. Umgekehrt werden einige kognitive Aufgaben durch GenAI weniger notwendig. So hat sich beispielsweise die Informationsbeschaffung erheblich verringert. GenAI-Tools automatisieren den Prozess der Beschaffung und Aufbereitung aufgabenrelevanter Informationen und machen ihn für Wissensarbeiter weniger mühsam. Infolgedessen hat sich die kognitive Belastung, die mit der Suche nach und der Zusammenstellung von Informationen verbunden ist, verringert.»

Was machen wir mit diesen Erkenntnissen?

Die Studie erklärt dann weiter, wie KI-Tools gestaltet werden sollten, damit sie kritisches Denken fördern (Kapitel 6.1).

Es gibt aber auch Take-Aways für kritisches Denken bei Wissensarbeitern im Zeitalter von KI. Hier ein Zitat der Studie:

Wissensarbeiter sollten darin geschult werden, bei der Arbeit mit künstlicher Intelligenz kritisch zu denken und sich dabei auf Kompetenzen in den Bereichen Informationsüberprüfung, Reaktionsintegration und Aufgabenverwaltung zu konzentrieren. Schulungsprogramme sollten die Bedeutung von Überprüfungen von KI-Ergebnissen, die Bewertung der Relevanz und Anwendbarkeit von KI-generierten Inhalten und die kontinuierliche Verfeinerung und Steuerung von KI-Prozessen betonen. Darüber hinaus hilft eine Konzentration auf die Aufrechterhaltung grundlegender Fähigkeiten bei der Informationsbeschaffung und Problemlösung dabei, sich nicht zu sehr auf KI zu verlassen.

Wie machst du das – kritisches Denken und KI nutzen gleichzeitig?

Mich würde natürlich interessieren, ob du diese Tendenzen in deinem Arbeitsalltag auch beobachtest? Und wie du ihnen vielleicht proaktiv entgegenwirkst? Ich freue mich, von dir in den Kommentaren zu lesen.

Quellen und weiterführende Inhalte

Ich habe dir hier noch alle Quellen zusammengefasst, falls du dich noch weiter informieren willst:

Zudem habe ich mir mit NotebookLM einen Podcast erstellen lassen zur Studie, hier kannst du ihn dir anhören:

Neugierig geworden, wie du KI konkret in deinem Arbeitsalltag einsetzen kannst?

Auf LinkedIn Learning zeige ich dir in meinen Online-Kursen verschiedene Methoden und Tools. Entdecke zum Beispiel den brandneuen Kurs «Erste Schritte mit NotebookLM» oder lerne «KI-Prompting für Content Creation» (kostenlos). Alle meine Kurse findest du auf meiner LinkedIn Learning Seite.

Über mich

  • Simea Merki

    Jeden Tag Menschen helfen, das zu sagen, was sie zu sagen haben. Mit Wirkung und Vision, trotzdem ressourcensparend. Ob es dabei um Websites, Webshops, Content Systeme, Texte oder auch Design geht, ist zweitrangig. Im Vordergrund stehst du und deine Vision. Mit massgeschneiderten und innovativen Ideen geben wir beim Familienunternehmen morntag unser Allerbestes, deine Message zu unterstützen.

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4 Kommentare

  1. Bei der Recherche sehe ich als Nachteil der Ki, dass die Ki sich an der Sichtweise/Meinung der Mehrheit orientiert, die leider kein Nachweis für Richtigkeit ist.
    Die Antworten sind sehr umfangreich (viel Geschwafel) allein durch die Menge erwecken sie den Eindruck von Kompetenz.

    1. Das kann tatsächlich ein Problem sein, das verstehe ich sehr gut (und kenne die Situationen auch aus meinem Alltag). Für Recherche bin ich zum grossen Fan von Perplexity (https://www.perplexity.ai/) geworden, hast du das schon mal ausprobiert? Das ist super darauf ausgerichtet.

      1. Hatte ich mal mit Gemini und der normalen Google-Suche verglichen.
        Für meine Zwecke habe ich mit der Google-Suche die gleichen Quellen gefunden.

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