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Im Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig gehörte das Zeichnen eines Alphabets in der Römischen Capitalis (8 cm Versalhöhe) zu den Aufgaben des 1. Semesters im Fach Kalligrafie. Während der Korrektur kam meine Professorin, Hildegard Korger, mit dem Begriff Läusedärmchen um die Ecke. Die von mir in feinster Schminke-Tusche gezeichneten Buchstaben sollten an der einen Seite etwas dünner, an der anderen Seite etwas dicker werden. Läusedärmchen war sozusagen eine Maßeinheit in der Größenordnung von „etwas“. Zum Glück kannte ich da bereits ein ähnliches Maß: Seidenpapier.
Solche Miniatur-Maße sind mir bereits in der Ausbildung zur Schriftsetzerin begegnet. Ich lernte Buchstaben auszugleichen, und das wird im physischen Bleisatz mit einem Spatium von 1 pt oder 1 1/2 pt gemacht. Doch manchmal ist ein Punkt (0,3527 mm) einfach zu dick und dann musste Seidenpapier herhalten. Doch wie dick ist Seidenpapier? Vielleicht wie ein Läusedärmchen?
Schön finde ich, dass dieser Begriff Läusedärmchen bis heute einen festen Platz in meinem Sprachgebrauch eingenommen hat. Andere Mitbewohner einer Setzerei, wie z.B. der Zwiebelfisch, ist hingegen aus meinem Sprachschatz verschwunden.
In unserem Artikel über das Spatium hatten wir bereits vom Sperren, Ausgleichen und Unterschneiden geschrieben.
Was unter Laufweite bzw. Kerning einer Schrift zu verstehen ist, das erfährst du im nächsten gemeinsamen Beitrag von Heike und mir.
Über mich
Alle Beiträge ansehenAm liebsten gestalte ich Bücher. Schöne Bücher. Als gelernte Schriftsetzerin mit großer Affinität zur Typografie und studierte Grafikdesignerin mit Liebe zum Konzept biete ich feine Buchgestaltung und gestaltende Beratung von Marken.











Ein Kommentar
Es ist erfreulich, dass es doch noch Menschen gibt, die sich um Kalligrafie kümmern!
Deine Beiträge machen immer wieder Freude!
Fünf große +++++