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Lehrmittel als Reiseführer?

Bei mir steht in diesem Sommer eine längere Reise an. Kolumbien ist das Ziel. Als nix wie los: ab in die Buchhandlung zum Regal mit den Reiseführern. Die Auswahl ist schnell getroffen. Und wie ich nun so in diesem Reiseführer blättere, merke ich: ICH LERNE!

Mein Reiseführer ist mein Lehrmittel. Es bereitet mich auf das Leben in Kolumbien vor. Das Lernsetting lässt sich recht klar beschreiben: Ich habe mehrere Lernziele. Ich will viel wissen und können. Die Lerndauer ist definiert, im Juli wird es losgehen. Auch das Lernsetting ist klar: ich lerne im Selbststudium und ab und zu tausche ich mich mit meiner Lernpartnerin aus. Die „Prüfung“ werden wir gemeinsam live in Kolumbien ablegen.

Und so funktioniert mein “Lehrmittel”: Es enthält Karten, die mir Übersicht geben. Es gibt diverse Verzeichnisse, die mir verschiedene Zugänge zu meinem Lernstoff bieten. Das Grundlagenwissen lese ich in einem Schwung von A bis Z durch. Dann vertiefe ich jene Themen, die mich speziell interessieren. Oft sind Themen nicht nur mit Text, sondern auch mit Bild versehen. Film oder Ton werden über Links verknüpft. Überhaupt: viele Links verhelfen mir zu relevanter und aktueller Zusatzinformation aus dem Internet.

Der Reiseführer begleitet mich durch verschiedene Lernphasen. Jetzt bin ich in der Vorbereitung. Auf der Reise selbst werde ich ganz sprunghaft durch den Reiseführer blättern und mir immer zu jenem Kontext und Ort Information holen, an dem ich mich gerade befinde. Nach der Reise werde ich gezielt nochmals etwas nachlesen. Ich verstehe es dann besser, kann es besser einordnen, weil ich inzwischen durch das Bereisen eines Ortes Kontext bekommen habe.

Wie sieht unser Reiseweg aus? Wir wissen es noch nicht. Wir werden das relativ spontan entscheiden. Auch da wählen wir das „Selbststudium“. Es könnte ja aber auch sein, dass wir unsere Reise durch das Reisebüro buchen lassen. Ähnlich wie ein Dozent, der einen Lernweg gestaltet. Oder wir könnten ein fixfertiges Pauschalarrangement buchen, das uns verspricht, dass wir alle relevanten Orte Kolumbiens kennenlernen. Ähnlich einer Schule, die einen Lehrgang bereitstellt. Der Reiseführer, unser Lehrmittel, ist so aufgebaut, dass er uns in all diesen Settings optimal begleiten kann.

Ein Reiseführer ist also in vielen Belangen ein ziemlich gutes Lehrmittel. Damit stellt sich mir die Frage: Müssten wir unsere Lehrmittel vermehrt wie Reiseführer gestalten? Oder: wie müssten wir unsere Lehrmittel gestalten, damit wir unsere Lernreisen intensiver erleben würden?

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Roman Schurter

Ich kümmere mich bei Edupartner in Zürich um digitale Inhalte und Angebote. Speziell angetan hat es mir das Content-First-Publishing aus XML direkt in verschiedene analoge und digitale Kanäle. Generell interessiert mich Technik, die mir den Alltag erleichtert. Ich bin auf Mac-Geräten am schnellsten und kenne wohl jede App aus der Kategorie «Produktivität».
roman.schurter@gmail.com
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2 Antworten

    1. Der Reiseführer ist analog. Auch wenn ich sonst Bücher nur noch digital konsumiere: bei Reiseführern spricht alles für den Print. Muss immer und überall funktionieren. Muss bei hellstem Sonnenschein, im ärgsten Regen und mit Handschuhen bedienbar sein. Und fast am wichtigsten: die Antibrumm-Resistenz.

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