• Thema

  • Technologie

Das typografische Maßsystem – der Punkt

Das typografische Masssystem – der Didot-Punkt
Beitrag speichern

Noch kein Konto? Registrieren

1775 führte der Franzose Firmin Didot diese typografische Maßeinheit im damaligen physischen Schriftsatz mit Bleilettern als feste Größe ein. Als Ausgangsmaß wählte er 12 Cicero. Die ursprüngliche Größe des typografischen Punktes betrug dabei 0,376 mm. Zur Vereinfachung wurde das Maßsystem auf 0,375 mm umgestellt. Es ist auch heute noch die Grundlage für die Schriftgrößen im Schriftsatz.

Der gemeine Unterschied zwischen dem typografischen und dem metrischen Maßsystem besteht in der Grundzahl 12 im Gegensatz zur 10. Deshalb findest du in den bereits voreingestellten Größen der verschiedenen textverarbeitenden Programme auch solche Größen, wie: 12, 24, 36, 48, 60 und 72 pt (weitere Zwischengrößen außen vor gelassen).

Früher hatten die häufig verwendeten Schriftgrößen ganz eigene Bezeichnungen, z.B. ist Nonpareille = 6 p, Petit = 8 pt, Borgis = 9 pt, Korpus = 10 pt, Cicero = 12 pt oder Konkordanz = 48 pt.

Leider existieren auch heute noch verschiedene Punkt-Maßsysteme. So wird in der Bildbearbeitung oft mit dem Pica-Point-System gearbeitet (1 pt = 0,353 mm). Da spielt die Differenz zwischen den Maßsystemen eine nicht unerhebliche Rolle, denn der Text auf einer DIN A4-Seite kann schon mal 5 Zeilenlängen Unterschied aufweisen zwischen dem Didot-Punkt und dem Pica-Point.

Die Schriftgröße bezog sich im Bleisatz übrigens nicht auf die Größe des Buchstabens von Ober- bis Unterlänge, sondern auf die Größe des Kegels (die physische Bleiletter), auf dem der Buchstabe sitzt.

Übrigens hat der typografische Punkt pt nichts mit dem Punkt dpi der Druckauflösung zu tun.


Technische Tipps

(von Heike Burch, Co-Autorin)

Grundsätzlich ist es eigentlich egal, in welcher Masseinheit man in InDesign arbeitet. Man muss sie nur kennen und bestenfalls projektweit, oder besser noch Unternehmensweit gleich einsetzen.

Der InDesign-Standard ist dieser:

  • Seiten und Druckbögen: mm
  • Objekte: mm
  • Abstände: mm
  • Schriftgrössen: Punkt (Pt)
  • Zeilenabstände: Punkt (Pt)
  • Konturen: Punkt (Pt)

So habe ich schon Projekte gehabt, wo die Seitenbreite in mm definiert wurde, die Seitenhöhe jedoch in Pt. So war es für die Layouter*innen einfacher, auf «Zeile» zu gestalten. Für mich war das etwas irritierend, weil ungewohnt, aber machbar.

Also: wo begegnen mir diese Einheiten?

In den Voreinstellungen (CMD+K / STRG+K) hast du eine grosse Auswahl.

Ich persönlich, weil ich meist InDesign-Templates für andere erstelle und somit meist nicht genau weiss, was deren Vorliebe ist, bleibe bei den Standard-Einstellungen von InDesign. Sollte der Kunde oder die Kundin etwas anderes wünschen, stelle ich das hier um.

(Ich frage mich immer wieder, was Agaten sind. Vielleicht geht Jana ja mal darauf ein?)

Gut zu wissen ist auch, dass InDesign umrechnen kann. Von mm in Pt. Das jedoch erfolgt immer nach den Regeln der Einstellung im o.g. Screenshot (Punkt-/Pica-Größe).

Beispielsweise definiere ich die Tastaturschritte immer so, dass sie dem Zeilenabstand entsprechen. Also: ist das Grundlinienraster und der Zeilenabstand 12 Pt, stelle ich hier 1/10 dessen bei Tastaturschritte ein.
Ich gebe 12Pt/10 ins Feld ein, nachdem ich weiterklicke, rechnet InDesign automatisch auf mm um: 0.423 mm.
Warum tu’ ich das? Ich kann nun Text- oder Grafikrahmen per Shift und Pfeiltaste zeilenweise hoch- oder runterspringen lassen. (Kleiner InDesign-Nerd-Sideffect)

Ein anderes Beispiel: für ein Plakat brauche ich eine genau 10 cm hohe Schrift. Das erledige ich ebenfalls mit der Rechenfunktion. (Kleiner Hinweis: ich weiss sehr wohl, dass Schriften nicht immer höhentechnisch alle gleich sind. Ein Check mit Hilfslinien ist da angebracht!)

Zudem kann ich auch die Lineale ein- und ausblenden (CMD+R oder STRG+R – R für Ruler/Lineal) und mit einem Rechtsklick aufs Lineal kann ich auch hier für die Breite, für die Höhe oder eben (in der oberen, linken Ecke geklickt) für beides gleichzeitig die Einheiten definieren.

Auch Konturen werden in InDesign in Pt definiert. Hier kann aber auch bei Bedarf in das Feld ein mm-Wert eingegeben werden und InDesign rechnet dann um.


Wenn du Fragen zu komplexen Dokumenten, sauberen InDesign-Vorlagen oder guter Typografie hast: meld’ dich bei uns!

Über uns

  • Jana Schlosser

    Am liebsten gestalte ich Bücher. Schöne Bücher. Als gelernte Schriftsetzerin mit großer Affinität zur Typografie und studierte Grafikdesignerin mit Liebe zum Konzept biete ich feine Buchgestaltung und gestaltende Beratung von Marken.

  • Heike Burch

    InDesign verstehen. Und dann Qualität erzeugen. Ist es das, was Du suchst? Ich bringe Ordnung in deine InDesign-Dateien. Oder zeige dir, wie du selbst die besten Templates und Vorlagen erstellen kannst. Bei mir bist du richtig, wenn: deine InDesign-Dateien komplexer werden und du Hilfe brauchst // du den Dingen in InDesign auf den Grund gehen willst (also einen Workshop oder ein Seminar brauchst) // du deine Ruhe haben willst und Arbeit und/oder Verantwortung abgeben möchtest, aber die Qualität sehr gut bleiben oder werden soll?

Was denkst du dazu?
yeah!
8
wooow
0
what?
0
meh.
0
hahaha
0
Das könnte dich auch interessieren:
Ad - SiteGround Webhosting - Einfache Site-Verwaltung. Mehr erfahren.
Beitrag teilen
Was denkst du dazu?
Was denkst du dazu?
yeah!
8
wooow
0
what?
0
meh.
0
hahaha
0
Diskussion

2 Antworten

  1. Im Desktop Publishing arbeitet man wohl in den seltensten Fällen mit dem im Beispiel angegebenen klassischen Punkt, sondern mit der Standardvorgabe aus den US-amerikanischen Softwarehäusern: 1/72 Zoll, also 25,4 mm / 72 = 0,352777… mm. Zum Glück rechnet InDesign Angaben in beliebigen Masseinheiten automatisch auf die aktuell voreingestellte Einheit um; diese Funktion nutze ich auch oft.

    Beim Entwickeln von Gestaltungsrastern, die auf dem globalen Grundlinienraster aufbauen, gibt es übrigens ein Detail zu beachten: Will man Textrahmen so ausnutzen, dass die erste Zeile oben mit anderen Layoutelementen wie Bildrahmen bündig ist, muss man je nach Schrift hier die passende Einstellung wählen:
    Textrahmenoptionen > Grundlinienoptionen > Erste Grundlinie > Versatz
    Zur Wahl stehen:
    – Oberlänge
    – Versalhöhe
    – Zeilenabstand
    – x-Höhe
    – fester Wert

    Falls beim Setzen zum Beispiel Überschriften in einer anderen Schriftart oder in einem etwas grösseren Schriftgrad aus unerfindlichen Gründen eine Zeile tiefer springen als Absätze in der Grundschrift, dann ist häufig die obige Einstellung schuld.

  2. Ein Hoch auf das metrische System – um im DTP-Satz leider mit pica (statt didot) zu hantieren. Immer diese krummen Maße …
    Mal wieder Danke für euren Beitrag – der meine soll diesen nicht schmälern 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

 

Hinweis: Es kann bis zu zwei Stunden gehen, bis dein Kommentar auf der Website erscheint. Bitte poste deinen Kommentar nur einmal 😉

Aktuelle Jobangebote
  • Grafik / Prepress / Druck / Verpackung / Werbetechnik | Medienjobs und Stellen für Profis

  • Neue Beiträge als E-Mail
    jeden Dienstag die neusten Blogposts in deiner Inbox
    Unsere Partner:

    Dein Gerät ist aktuell offline.