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Viele Kunden, die zu uns zu morntag kommen, sind in einer klassischen Publishing-Welt zu Hause: Inhalte entstehen in Word, wandern per Mail ins Lektorat und werden anschliessend von Grafikern in InDesign gesetzt. Das Web ist in dieser Kette oft nur ein «Nachgedanke» – eine Zweitverwertung am Ende der Kette, die irgendwie auch noch bedient werden muss.
Wenn wir dann unseren Content-First-Ansatz vorstellen, ist die Skepsis oft spürbar. «Wird das jetzt alles noch viel komplizierter?» ist eine häufige Sorge. Die Antwort ist aus unserer Erfahrung ein klares Nein. Klar, am Anfang gibt es viel zu lernen, weil ein Content-First-Ansatz wirklich ein Umdenken bedingt. Die Prozesse werden anders, das Arbeiten fühlt sich anders an. Aber danach werden Redakteure und Autorinnen entlastet. Sie fokussieren auf Inhalte und werden dafür mit einem praktischen Editor ausgerüstet: dem Gutenberg-Editor, auch Block-Editor genannt.
Was ist der Gutenberg-Editor?
Der Gutenberg-Editor (auch Block-Editor genannt) ist seit 2018 der Standard-Editor in WordPress. Anders als der klassische Editor, der eher wie ein Word-Dokument funktionierte, basiert Gutenberg auf Blöcken.
Jedes Element eines Beitrags – sei es ein Absatz, ein Bild, eine Überschrift oder ein Zitat – ist ein eigenständiger Block. Diese Blöcke lassen sich per Drag-and-Drop verschieben, individuell formatieren und als Vorlagen speichern. Das macht das Erstellen von komplexen Layouts und strukturierten Inhalten deutlich intuitiver, ohne dass man Code schreiben muss.
Warum sich dieser Editor gerade für Verlage und Verbände, die weg von unstrukturierten Word-Dokumenten wollen, als nützliches Werkzeug etabliert hat, möchte ich hier kurz einordnen.
1. Der Editor ist einfacher als erwartet
Oft hören wir die Sorge, moderne Web-Editoren seien zu komplex für klassische Redaktionsteams. Dazu kommt, dass der Block-Editor für zahlreiche User-Experience-Tests hinhalten muss. Das merkt man in der Entwicklung des Editors. Weil so viele Menschen den Editor benutzen, wird er mit zunehmendem Funktionsumfang nicht komplizierter, sondern eher intuitiver über die Jahre. Das beobachten wir auch immer wieder bei Redaktionsschulungen und unsere Erfahrung in der Praxis zeigt das auch.
Wir hatten kürzlich eine Schulung für einen Verlagskunden geplant. Die gesamte Redaktion kam nicht aus dem digitalen Umfeld, sondern war den klassischen Word-Workflow gewöhnt. Wir hatten uns intern entsprechend vorbereitet und mehrere Stunden für die erste Einführung in den Editor reserviert, Folien gebaut und Übungen skizziert.
Und dann? Nach 30 Minuten war eigentlich alles klar.
Die Redakteurinnen und Redakteure verstanden das Prinzip intuitiv: «Ein Absatz ist ein Block. Ein Bild ist ein Block.» Das System ist visuell aufgebaut, sodass die Technik schnell in den Hintergrund trat. Es gab keine grossen Grundsatzfragen mehr, und wir konnten die restliche Zeit nutzen, um über das zu sprechen, worauf es ankommt: Die Inhalte.
2. Struktur by Design
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Gutenberg nur dazu da ist, Beiträge für die Website visuell aufzubereiten. Für unsere Arbeit ist er aber vor allem eines: Ein Werkzeug für semantische Struktur.
Das Geniale am Block-System ist, dass es Struktur erzwingt, ohne die Kreativität einzuschränken. Stell dir vor, du baust mit Lego: Jeder Stein hat eine klare Funktion und Form. Du kannst nicht einfach einen Fenster-Stein mitten in eine Wand aus Basis-Steinen quetschen, ohne dass das System «Halt!» ruft – oder es dir zumindest schwer macht.
Genauso funktioniert der Editor: Er nimmt Redakteuren die Last ab, Design-Entscheidungen treffen zu müssen. Statt in einem endlosen Word-Dokument Schriftgrössen und Abstände zu raten, wählen sie logische Bausteine aus: Ein Zitat-Block sieht immer aus wie ein Zitat. Eine Galerie verhält sich immer wie eine Galerie. Das «Lego-Feeling» sorgt dafür, dass sich der Aufbau einer Story ganz natürlich und logisch anfühlt, während im Hintergrund saubere Daten entstehen.
Content First heisst für uns: Wir denken nicht in Kanälen (Website, App, Print), sondern in Inhalten. Und genau hier hilft der Editor. Statt einen Textbrei in ein einziges grosses Feld zu tippen, leitet der Editor dazu an, Inhalte in logische Einheiten zu zerlegen.
3. Einmal erfassen, überall nutzen (Data Liberation)
Ein wichtiges Argument für viele unserer Kunden ist die Wiederverwendbarkeit. Da wir Inhalte in Gutenberg strukturiert erfassen, sind sie nicht im Web «gefangen».
Ein Beispiel aus unserer Arbeit mit dem Amtsblatt Wettenberg oder dem Magazin «Unisono» des Schweizer Blasmusikverbands: Wir setzen oft auf Custom Blocks oder Vorlagen, die das Erfassen vereinfachen, aber auch das Ausspielen in verschiedene Kanäle in der Praxis leicht machen.
Das verstehen wir unter Data Liberation in der Praxis: Der Editor dient als zentrale Erfassungsmaske für alle Kanäle. Data Liberation meint aber noch mehr: Deine Inhalte sind nicht in einem geschlossenen CMS gefangen. Durch die Open-Source-Basis von WordPress und Gutenberg ist gewährleistet, dass du jederzeit die Hoheit über deine Daten behältst und sie nicht in einem proprietären System eingeschlossen sind.
4. Wir sind nicht die einzigen (und wohl auch nicht die letzten, die zu Gutenberg-Fans wurden)
Dass dieser blockbasierte Ansatz im Digital Publishing Fuss fasst, ist keine exklusive WordPress-Entwicklung. Auch andere Akteure im Publishing-Tech-Space setzen darauf.
Ein Beispiel ist «Purple». Die Multichannel-Publishing-Plattform, die von Medienhäusern wie der Hamburger Morgenpost oder Ringier genutzt wird, hat ihren Editor ebenfalls auf der Gutenberg-Technologie aufgebaut. Das zeigt, dass sich das Tool offenbar auch ausserhalb unserer Projekte bei morntag nicht nur für Blogs, sondern auch für professionelle, kanalübergreifende Redaktionsprozesse eignet.
Fazit: Kein Web-Editor, sondern ein Content-Editor
Zugegeben: Über die Nutzbarkeit des Gutenberg-Editors als Webdesign-Tool lässt sich aus meiner Sicht streiten, andere Tools wie Elementor und Greyd sind da viel weiter. Aber für uns liegt der grösste Wert des Gutenberg-Editors in einem entscheidenden Perspektivenwechsel: Wir nutzen ihn bei morntag nicht als Web-Editor, um Seiten zu bauen, sondern als reinen Content-Editor.
Redakteurinnen und Redakteure denken nicht in «Web», «Pixeln» oder «Spalten». Sie denken in «Inhalt», «Story» und «Botschaft». Der Editor unterstützt genau das, indem er die technische Ausgabe vom Erstellungsprozess entkoppelt. Er gibt die notwendigen Leitplanken, damit der Inhalt im Zentrum steht – bereit für jeden Kanal, der da kommen mag.
Übrigens: Wenn du den Gutenberg-Editor einfach mal selbst ausprobieren möchtest, kannst du das direkt hier tun (ganz ohne Installation): wordpress.org/gutenberg
Wie erlebst du den Wandel in der Content-Erstellung? Wo arbeitest du am liebsten? Schreib es mir in die Kommentare!
Über mich
Alle Beiträge ansehenJeden Tag Menschen helfen, das zu sagen, was sie zu sagen haben. Mit Wirkung und Vision, trotzdem ressourcensparend. Ob es dabei um Websites, Webshops, Content Systeme, Texte oder auch Design geht, ist zweitrangig. Im Vordergrund stehst du und deine Vision. Mit massgeschneiderten und innovativen Ideen geben wir beim Familienunternehmen morntag unser Allerbestes, deine Message zu unterstützen.










