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Mir wurde das Herz gebrochen

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Wisst ihr noch, wie es sich anfühlt, wenn man gerade verliebt ist? Die Schmetterlinge im Bauch? Die Vorfreude, wenn man sich nach einer Weile wiedersieht? Das Vergnügen, wenn man Zeit miteinander verbringt und Freude daran hat, Neues kennenzulernen? So ging es mir damals mit dem Arc-Browser. Ich fühlte mich endlich verstanden, abgeholt und aufgehoben. Doch dann wurde ich bitter enttäuscht.

Die rosarote Brille

Vergangenes Jahr habe ich über meine neue grosse Liebe, Arc Browser, berichtet. Der neue Browser von The Browser Company of New York war alles, was ich mir von einem Browser erträumt hatte:

  • Basierend auf Chromium, aber nicht Chrome
  • Nützliche und hübsche Benutzeroberfläche
  • Workspaces
  • Folders
  • bessere Sicherheits-Optionen

und nützliche Features wie

  • Tab-Switcher
  • Picture-in-Picture
  • Folder sharing
  • KI
  • usw.

Endlich konnte ich in einem Browser so arbeiten, dass es sich beinahe wie ein Betriebssystem anfühlte. Apps, die ich täglich benötige, die aber keine native App haben, kann ich prominent anpinnen (ich mag keine PWAs) und häufig genutzte Seiten in Ordnern organisieren, um ein paar der «regulären» Features zu nennen. Bald darauf brachten sie auch den passenden mobilen Browser dazu heraus, und nach einiger Zeit wurde dann auch die Windows-Version angekündigt. Nun war mein plattformübergreifendes Märchen perfekt.

Erste Wolken am Himmel, aber hey, no browser is perfect!

Zugegeben, ich hätte es ahnen sollen. Die Zeichen waren da. Ich wollte sie nur nicht sehen. Arc war auf dem Mac auf Hochglanz poliert, und nachdem die Browser-Company die Probleme mit der Geschwindigkeit in den Griff bekommen hatte, war ich happy. Auch auf dem Smartphone konnte ich mir nicht vorstellen, was man noch verbessern könnte. Deshalb fiel auch gar nicht auf, dass sich kaum noch etwas veränderte. Rückblickend waren wir im Alltag angekommen. Alles läuft nach den gewohnten Mustern. Man vermisste nichts, es gab aber auch keine grossen Wow-Momente mehr. Die waren auch nicht nötig, da ja alles passte.

Trotzdem. Etwas schien zu harzen. Windows schien nicht aus der Beta-Phase zu kommen, und das, obwohl wir offiziell längst aus der Phase raus waren. Windows war buggy, langsam und es fehlten wichtige Features. Ja, ich hätte es sehen müssen.

Doch noch nicht vorbei: Arc 2.0, endlich!

Und dann endlich die grosse Ankündigung: Arc 2.0! Oder doch nicht. In dem Video gab der CEO von The Browser Company, Josh Miller, bekannt, dass es endlich keinen Arc 2.0 gibt, sondern etwas komplett Neues! Er meinte, dass Arc nicht verschwinden wird, dass er aber der Meinung ist, dass der 0815-Nutzer sein Produkt nicht nutzt, da es schlicht zu kompliziert sei. Aber schaut selbst:

The Browser Company hat ein Power-Tool für Power-User entwickelt und gemerkt, dass sie es nicht monetarisieren können.

Seit der Ankündigung vor über einem Jahr gibt es keine Features mehr, sondern nur noch Chromium-Updates, und die KI-Funktionen sind aus dem Browser teilweise verschwunden. Ich wusste damals schon, dass meine Beziehung zu Arc vorüber war. Ich konnte mich aber bisher nicht trennen. Nach Arc konnte ich nicht zu dem schwerfälligen Datenkraken und Ressourcenvernichter Chrome zurück. Meine Geplänkel, die ich vor Arc mit Vivaldi, Brave und Opera hatte, waren alle Rohrkrepierer, Safari ist nicht Cross-Plattform und wir alle wissen, dass Microsoft Edge nur dazu benutzt wird, um Chrome herunterzuladen. Arc verliess mich langsam, aber stetig, und ich wusste nicht, wie ich mein Online-Leben weiterführen sollte, denn Firefox ist schon lange keine Option mehr für mich, und der Browser, der Arc am nächsten kam, basierte leider darauf: Zen Browser. Ich fühlte mich alleingelassen.

Dia Neue!

Vor ein paar Wochen bekam ich dann als ehemaliger Arc-Geliebter die Möglichkeit, das Nachfolgeprodukt oder, wie der CEO Josh Miller immer noch versuchte klarzumachen, ihr zweites Produkt in der Beta auszuprobieren: Dia. Dia ist ein KI-Browser, der einem ChatGPT direkt im Browser an die Hand gibt. Man kann mit seinen Tabs interagieren und Dia direkt darum bitten, diese zusammenzufassen, basierend darauf etwas zu erstellen/recherchieren oder YouTube-Videos zusammenzufassen usw. Dabei wurden beinahe alle Features, die ich an Arc mochte, eliminiert. Kommt noch dazu, dass Arc nie viel verlangte. Kein Abo, keine Spenden oder Ähnliches. Dia hingegen bot schon bald ein Abo an. Verständlich, denn natürlich ist der Sinn jeder Firma am Ende des Tages der, dass sie sich rentieren muss.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich in Zukunft nicht damit arrangieren kann. Zum einen, weil Arc mich schwer enttäuscht hat, und zum anderen, weil Dia sich zwischenzeitlich einen Sugar-Daddy gesucht hat.

The Browser Company of New York geht Down Under

Während ich noch mit meinem Schicksal haderte und nach einem Rebound-Browser suchte, machte sich Dia daran, sich einen zahlungskräftigen Sugar-Daddy zu suchen: The Browser Company of New York wurde von Atlassian gekauft! Ja, Atlassian. Die Softwarefirma hinter Confluence und Jira. Das klingt im Grunde nach einer perfekten Zweckbeziehung: Die Firma, die gut nutzbare Software/Browser bauen kann, wird von der Firma übernommen, die zwar keine anständige Software hinbekommt, aber dafür weiss, wie man Geld durch Customer Lock-in verdient. Sozusagen eine Win-win-Situation. Sehr detailliert wird das Ganze hier behandelt:

Hinweis zum Video: Ich halte die Analyse im Video für informativ und schlüssig. Trotzdem wichtig anzumerken: Der Ersteller des Videos hat persönlich etwas gegen The Browser Company und deren CEO, was gelegentlich durchsickert.

Es besteht Hoffnung!

Während sich The Browser Company und Atlassian besser kennenlernen, teste ich weiter fleissig Browser, und ich glaube, ich könnte fündig geworden sein. Ein Browser, den ich schon seit Jahren kenne, aber nie wahrgenommen habe. Einer, der meiner Meinung nach komplett verkannt wird und über den auch ich nie gut geredet habe. Fakt ist aber, er bringt beinahe alle Features mit, die ich in einem Browser suche, und ich laufe nicht Gefahr, dass er in einem Jahr wieder weg ist, da er ein reiches Elternhaus hat. Aber dazu später mehr. Momentan sind wir noch in der Kennenlernphase.


Feature-Image erstellt mit Bing Create.

Über mich

  • Christian Denzler

    Christian Denzler ist Publishing-Spezialist mit über zwei Dekaden Erfahrung in der Schweizer Medien- und Publishingbranche. Seine Schwerpunkte liegen in Druckvorstufe, Web-to-Print, Multi-Channel-Publishing, datenbankgestützter Werbemittelproduktion, barrierefreien Inhalten, XML, Wissensmanagement und künstlicher Intelligenz.

    Aktuell ist er als Application Manager Print Systeme bei CH Media, einem der führenden privaten Medienunternehmen der Schweiz, tätig und arbeitet dort an der Automatisierung von Publishing- und Zeitungsdruckprozessen. Dazu gehören das Erstellen von Workflows mit Enfocus Switch sowie der Einsatz von Systemen wie Asura von OneVision, PEIQ und huGO+ von Sternwald. In eigenen Projekten wie denzler.music verbindet er Prompting, Bildgenerierung und KI-gestützte Musikproduktion mit seiner Erfahrung in Gestaltung, Sprache und digitalen Workflows. Er ist Inhaber von denzler.media, Buchautor beim Rheinwerk Verlag und teilt sein Fachwissen als Blogger und Trainer. Seine Ausbildung umfasst den Polygraf EFZ, den eidgenössischen Fachausweis als Techno-Polygraf, Weiterbildungen in Multi-Channel-Publishing, Usability/UX an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Projektmanagement IPMA Level D sowie Digital Publishing Technologies mit Fokus auf XML, RAG und künstliche Intelligenz.

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2 Kommentare

    1. Ist da der Hype nicht schon vorbei? Ich habe ihn mir nicht im Detail angeschaut, aber ich war noch nie ein Freund von Perplexity. Frag mich nicht, warum. Das ist sehr subjektiv. Und nach Arc habe ich keine Lust mehr auf Browser, bei denen man nie weiss, wie lange es sie noch gibt.

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