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Non-binäre Webformulare

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Heute habe ich für unseren Co-Working-Space in Lenzburg ein neues Kontaktformular eingerichtet. Das habe ich gefühlt schon tausendmal auf irgendwelchen Webseiten gemacht. Heute habe ich aber plötzlich gestutzt. Wie üblich fragte ich zuerst nämlich nach der Anrede: Herr oder Frau?

Nun befinde ich mich noch im Siegestaumel des diesjährigen Eurovision Song Contest. Ich habe in den letzten Tagen viel über Non-Binarität gelesen und nachgedacht. Darum jetzt auch mein Zögern beim Design des Webformulars.

Disclaimer: ich unterstütze alle Bemühungen von Menschen, die ein Leben ausserhalb der Kategorien «Frau» und «Mann» führen möchten. Ich gendere in der Sprache und ich mache mir Gedanken zu meinem eigenen Verhalten und meinen Gewohnheiten im Umgang mit Geschlechtern. Wer sich durch diese Gedanken getriggert fühlt, der soll doch hier bitte mit Lesen aufhören.

Für alle anderen: Wie machen wir das jetzt am besten mit den Webformularen?

Frage 1: müssen wir das Geschlecht überhaupt abfragen?

Die erste Frage, die wir uns in allen Formularen stellen sollten: brauchen wir eigentlich eine Angabe zum Geschlecht? In meinem Fall des Gloria Coworkings Lenzburg konnte ich hier bereits schon mal mit «nein» antworten.

Wir sprechen alle unsere Besucher informell mit «Du» an. Bisher haben wir Mails und sonstige Kommunikationsmittel mit «Lieber …» oder «Liebe …» eröffnet. Das können wir aber ganz einfach ändern. Wir sprechen unsere Gäste nun einfach mit «Hoi …» oder «Salü …» an. Easy. Und somit können wir uns eine Angabe zum Geschlecht in den Formularen sparen.

Frage 2: Geht es um das Geschlecht oder die Anrede?

Nun ist die Sache nicht immer so einfach zu lösen. Wenn wir in der Korrespondenz eine formelle Anrede nutzen möchten, dann brauchen wir einen Hinweis, wie diese Anrede aussehen soll.

In vielen Formularen (und Datenbanken) wird zu diesem Zweck einfach nach dem Geschlecht gefragt. Wenn «männlich», dann kann man daraus ein «Lieber», «Sehr geehrter» oder «Werter» ableiten. Gleiches für die weibliche Form.

Will man nun aber non-binäre Personen ansprechen, dann wird es komplex. Und die Frage stellt sich: müssen wir wirklich eine (persönliche) Aussage zum Geschlecht einholen, nur um eine Anrede formulieren zu können?

Warum fragen wir nicht einfach nach der gewünschten Anrede? Das wäre doch viel einfacher. Also zum Beispiel so:

genderneutrales Kontaktformular mit einer Frage zur Anrede: Frau, Herr, Neutrale Anrede, Keine Angabe

(Fällt euch auch gerade auf, dass wir es alle gewohnt sind, zuerst den Herrn und dann die Frau in die Liste zu setzen? Auch so ein Muster, das man mal durchbrechen kann…)

Lasst uns darüber nachdenken!

Es gibt noch andere Möglichkeiten, wie man Webformulare genderneutral gestaltet. Eine hervorragende Übersicht findet ihr unter:

Ich finde es spannend, darüber nachzudenken, welche Gewohnheiten wir als Gesellschaft haben und was wir allenfalls verändern könnten. Und ja, das alles führt zu ein paar technischen Herausforderungen – Webformulare sind da noch ein kleiner Fisch. Als aufgeklärte und moderne Gesellschaft können wir diesen Denkaufwand und diese Arbeit aber problemlos leisten.

Break the code!

Über mich

  • Roman Schurter

    Ich bin ein Contentmacher. Ich nutze gerne WordPress und andere Tools, um Lerninhalte zu gestalten und online zugänglich zu machen. Besonders angetan bin ich vom Content-First-Ansatz. Daneben produziere ich aber auch Marketing-Content für verschiedene Kunden. Gerne mit AI-Unterstützung.

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5 Antworten

  1. Abfrage der Anrede finde ich gut, Frau zuerst nennen ist charmanter als den Mann zuerst. Geschlecht weglassen, braucht es de facto nur in wenigen Belangen der Medizin und bei spezifischen rechtlichen Fragen.
    Hoi und Salü finde ich nicht so gut, ich kenne viele Leute, die das nicht mögen. Da braucht es wohl noch etwas zur Lösung.
    Non-Binär finde ich übrigens eine sehr unpassende Bezeichnung. Tönt für mich nach Computer oder Android und nicht nach Mensch. Ich hoffe, dass sich da noch etwas besseres, schöneres finden lässt.

    1. Das “Hoi” und “Salü” ist bei uns eine gute Lösung, weil wir unsere Klientel eh so ansprechen. Natürlich muss man das aber individuell klären. Ein Coworking-Space hat da wohl seine eigenen Regeln 🙂

  2. Frage 1 ist zentral. Das Geschlecht ist ein personenbezogener Datensatz und darf deshalb auch laut DSGVO nur abgefragt werden, wenn unbedingt nötig. Und das Geschlecht ist meiner Meinung nach bei 99 % aller Formulare irrelevant. Daher: Ich plädiere kategorisch fürs Weglassen 😁

      1. Wenn eine Anrede gewünscht ist, dann mit einer allgemeinen Anrede à la “Grüezi” oder “Hallo” oder “Guten Tag, Morgen, Abend…”. Wenn keine Anrede gewünscht ist, dann erübrigt sich die Sache von selbst.

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