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Schweiz: Kanton Bern kippt das gedruckte Amtsblatt für die Gemeinden – Richtungsweisend?

Bildquelle: Anzeiger Region Bern. © Tomas Wüthrich

In jeder Gemeinde in der Schweiz, aber eigentlich fast in jeder Gemeinde im DACH-Raum, gibt es ein Amtsblatt. Eine Zeitung mit den wichtigsten Informationen für die Einheimischen. Von amtlichen Mitteilungen (Gesetzesänderungen, Versammlungen, wichtige Termine) bis zu Vereinsnachrichten ist alles dabei. Bisher war es in der ganzen Schweiz verpflichtend, die Amtsblätter gedruckt zu verteilen. Digital? Nur als Ergänzung möglich. Abbestellen? Nicht möglich.

Das Ende 2021 revidierte Gemeindegesetz ändert dies nun für den Kanton Bern. Die amtlichen Blätter müssen keine Blätter mehr sein, sondern können auch digital verteilt werden. Das ist nicht unerheblich, sondern richtungsweisend. Schliesslich ist der Kanton Bern flächenmässig (nach Graubünden) und bevölkerungsmässig (nach Zürich) der zweitgrösste Kanton der Schweiz.

Die Gemeinde Köniz hat diese Gesetzesänderung vom ersten Tag an genutzt und ihre Publikationen auf der Website ePublikationen.ch publiziert. Mitte Dezember 2022 hat der Gemeindeverband des «Anzeiger Region Bern» (das betrifft 16 Gemeinden der Region Bern) die Auflösung des gedruckten amtlichen Anzeigers per 1. Januar 2024 beschlossen.

Vom trockenen Anzeiger zur Lokalzeitung?

Viele Gemeinden, auch in der Region Bern, setzen schon länger nicht mehr nur aufs amtliche Blatt. Ostermundigen oder Ittigen publizieren beispielsweise auch offizielle Meldungen in der Lokalzeitung «Bantiger Post», die Gemeinde Muri-Gümligen in «Local News».

Dabei vertrauen manche Gemeinden auf pfannenfertige Systeme, gehen eine Abhängigkeit ein, sind dafür aber sehr schnell in der digitalen Welt angekommen. Andere Gemeinden nehmen das Thema selbst in die Hand, bauen sich die Multichannel-Plattform mit allen möglichen Kanälen. Auch ganz ohne Gesetzesänderung. So zum Beispiel die Gemeinde Goldach mit dem «Wellenbrecher».

Ob Print oder Digital: Einwohnerinnen und Einwohner wollen informiert werden. Das für alle Beteiligten möglichst praktisch zu lösen, ist eine spannende Aufgabe.

Was heisst das für die Publishing-Branche?

Für Druckereien, Vorstufen und auch für die Gemeinden ist dieser Wechsel eine grosse Chance. Wenn nicht mehr gedruckt werden muss, können frei werdende Ressourcen genutzt werden für eine sinnvolle Kanalstrategie: Welche Inhalte in welcher Form braucht es auf welchem Kanal?

Diese Anforderung technisch zu lösen, ist das Thema der Stunde. Dabei ist das kein Hexenwerk. Wir von morntag begleiten schon jetzt diverse Druckereien und Medienhäuser in diesem Prozess, nämlich durch die Umsetzung mit WordPress. Den Kundinnen und Kunden, zum Beispiel den Gemeinden, eine geschmeidige Mehrkanal-Lösung zu präsentieren wird meines Erachtens das Thema des Jahres im Kanton Bern sein. Aber auch andere Regionen sollten längstens diese Schritte gehen. Wird ausschliesslich gedruckt, verlieren alle Kanäle an Wert:

  • Digital nicht vorhanden = Zielgruppenverlust.
  • Print-Ausgabe überladen und deshalb unübersichtlich = keine Lösung.

Print wird also nicht sterben, sondern genauso wichtig bleiben. Oder besser; zum Genussmedium werden! Mein Kaffee und meine Zeitung. Kurzfristige Berichterstattungen werden ab jetzt digital abgebildet. Auch das ist ein Gewinn, weil schneller und messbar. Ein Argument mehr für die Content-First-Denkweise. Wer das mit Strategie angeht, gewinnt!

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2 Antworten

  1. Ein ausgezeichneter Bericht/Kommentar zu einem höchst aktuellen Thema. Ich bin überzeugt, dass das Team von morntag diese Chancen nicht nur packen, sondern hier das eine und andere Wörtchen, Bildchen, etc., beitragen wird.

    1. Danke, Rolf! Ja, dieses Thema ist eine Leidenschaft von uns; Informationen müssen ankommen, am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Das ist Content First und das brauchen jetzt auch die Einwohnergemeinden! 😀

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