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Spatium ist ein älterer Begriff für „Sperren“ oder „Spreizen“. Im physischen Bleisatz waren es die dünnen nichtdruckenden Zwischenräume, die als Wortabstände zum Ausgleichen der Wörter auf die gesamte Zeilenlänge dienten. Ich erinnere mich, dass ich diverse Papierfetzchen mit unterschiedlichster Stärke für den perfekten Buchstabenabstand im Winkelhaken verwendete.
Selektiv spationiert werden bestimmte Buchstaben- oder Zahlenpaare, wie z.B. Telefonnummern, Titel, Abkürzungen und Einheiten. Es geht also nicht um das Sperren ganzer Wörter oder Textblöcke, sondern um einzelne Zeichen. Hilfe zum wie und an welcher Stelle bietet der Duden.
Wenn der Abstand zwischen einzelnen Buchstaben der Normalschrift vergrößert wird, spricht man von Sperren. Das ist sowohl in Drucksachen üblich, z.B. um Großbuchstaben (Versalien) auszugleichen, zur Schriftauszeichnung, zur Verbesserung der Lesbarkeit auf dunklem Grund oder aufgrund der Schriftästhetik bei Überschriften, Kolumnentiteln, Kapitälchen etc., als auch bei Websites üblich geworden, um eben jene genannten Verbesserungen am Schriftbild vorzunehmen.
Man kann eine Schrift übrigens nicht nur sperren, sondern auch unterschneiden. In diesem Fall werden die Buchstaben enger aneinander gerückt. Ja, es gibt Gestaltungen, bei denen das aus ästhetischer Sicht funktioniert.
Technische Tipps
(von Heike Burch, Co-Autorin)
Grundsätzlich müssen wir automatisches, Absatz- oder Zeichenweises Spationieren resp. Unterschneiden vom Einzel-Buchstaben-Fall unterscheiden. Zudem gäbe es da noch das Kerning in InDesign (eigentlich in der Schriftdatei, aber auswählbar als optisches oder metrisches Kerning in InDesign, dazu in einem anderen Beitrag mehr.)
Kerning
Kerning kann man also in der Eigenschaften-Palette, in den Absatz- und Zeichenformaten definieren:



Laufweite
Spationieren (InDesign: Laufweite erhöhen) und Unterschneiden (InDesign: Laufweite verringern) wird entweder in der Eigenschaftenpalette oder in den Absatz- und Zeichenformaten definiert. Normalerweise ändere ich die Laufweite jeweils Absatzweise. Damit gibt es einen guten Block- oder Flattersatz. (Und eigentlich ändere ich da selten wirklich etwas, da gute Fonts gute Abstände hergeben.)



Es gibt natürlich, wie immer, Ausnahmen. Zum Beispiel bei Zahlen, Ziffern, Abkürzungen, Initialen oder bei den im Französischen üblichen Abständen zu Satzzeichen.
Nur ein Beispiel (Abstände nach dem Punkt), rot ohne Eingriff, grün mit leichter Unterschneidung des Leerzeichens. Per GREP wird das Zeichen nach dem Punkt in der Laufweite verringert. In diesem Fall jeweils das Leerzeichen.


Für wiederkehrende Laufweite-Änderungen würde ich immer mit GREP-Stilen arbeiten. Zuerst nutze ich eine grosse Liste von typografischen Regeln, die ich in ein Basisformat einfüge. Und da alle Formate dann jeweils auf dem Basisformat basieren, ist die ganze Arbeit nur einmal pro Sprache zu machen. (Mehrsprachige Dokumente haben dann jeweils mehrere Basisformate, da hier die typografischen Regeln sehr unterschiedlich sind.)
Wichtig bei allen über die Laufweite definierten Abstandsänderungen ist: Der Abstand wirkt sich jeweils auf den Abstand nach dem Zeichen aus.

Leerräume einfügen
Ganz anders als das automatische Spationieren oder Unterschneiden funktioniert das Einfügen von bestimmten Leerzeichen. Diese meinte Jana im oberen Teil des Beitrages. Diese finden sich entweder per Shortcut oder unter Schrift > Leerraum einfügen > Auswahl treffen. Hier sind die typografischen Grundregeln zu beherzigen.

Wer jedoch immer wiederkehrende Einfügungen vornehmen will oder muss, sollte sich wirklich mal mit der Laufweite und den GREP-Stilen anfreunden. Denn so ein schöner Automatismus ist deutlich effektiver und weniger Fehleranfällig.
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Ein Kommentar
Bei Überschriften wende ich fast immer manuelle Spationierung an (opt + Pfeil links/rechts).
Indesign erlaubt unter Einstellungen / Einheiten u. Einteilungen / Kerning/Laufweite sogar eine feine Justierung der Tastaturschritte. Das fehlt mir in Affinity Publisher …