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Das Thema sichere Kommunikation ist schon seit einer Weile in der Gesellschaft angekommen. Heute ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kein Geek-Feature mehr, sondern eine Erwartung, die man an jeden Messenger hat. Spätestens seit Messenger wie Telegram (russische Gründer, Sitz in Dubai) und Signal (mitbegründet durch WhatsApp-Gründer Brian Acton, der 2017 bei Facebook/WhatsApp ausstieg und die Signal Foundation mit 50 Millionen USD anstiess) so beliebt wurden, hat sogar WhatsApp von Meta das Verschlüsselungskonzept von Signal übernommen.
Wichtige Randnotiz: Telegram bietet standardmässig keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Nur die «Secret Chats» sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Normale Chats verwenden Server-Client-Verschlüsselung.
Exkurs: Metas Metadaten
Meta kann eine End-to-End-Verschlüsselung ohne Bedenken implementieren, da das Geld nicht mit den Inhalten der Nachrichten, sondern mit den Meta-Daten, also allem um die Nachricht herum, verdient wird. Um dies einmal zu verdeutlichen, hier, was Meta alles abgreift:
Kommunikationsdaten
- Wer mit wem kommuniziert (Telefonnummern, Kontaktbeziehungen)
- Zeitpunkte jeder Nachricht, jedes Anrufs, jeder Dateiübertragung
- Häufigkeit der Kommunikation
- Gruppenzugehörigkeiten (welche Gruppen du hast, wer darin ist)
- Status‑Nutzung (wann du online bist, wann du zuletzt aktiv warst)
Diese Daten reichen aus, um sehr genaue soziale Netzwerke zu rekonstruieren – auch ohne Nachrichteninhalt.
Standort- und Bewegungsdaten
- Echtzeit‑Standort, wenn freigegeben
- Hintergrund‑Standort, wenn Berechtigung erteilt
- IP-Adresse → Rückschluss auf Region, Provider, Bewegungsmuster
Geräte- und Nutzungsdaten
- Gerätetyp, Betriebssystem, Hardware-IDs
- Akkustand, Netzqualität, App-Version
- Nutzungsmuster (wie oft geöffnet, wie lange aktiv)
Kontaktlisten & Daten über Nicht-Nutzer
- WhatsApp liest die gesamte Kontaktliste aus (Namen, Nummern)
- Dadurch erhält Meta auch Daten über Personen ohne WhatsApp‑Account
Das ist einer der umstrittensten Punkte: WhatsApp baut Schattenprofile über Nicht‑Nutzer.
Medien‑Metadaten
- Zeitpunkt des Uploads
- Dateigrösse, Format
- Hashes zur Erkennung von Duplikaten
- Vorschaubilder (Thumbnails)
Mikrofon- und Kamera‑Zugriff
- WhatsApp kann – nach erteilter Berechtigung – dauerhaften Mikrofonzugriff haben
- Technisch notwendig für Sprachnachrichten, aber potenziell missbrauchbar
Warum Metadaten so sensibel sind
Metadaten verraten oft mehr als Inhalte:
- Tagesrhythmus
- Beziehungsnetzwerke
- Aufenthaltsorte
- Interessen
- Berufliche und private Muster
Für Werbeprofile sind diese Daten extrem wertvoll – und genau das ist das Geschäftsmodell von Meta, wie ihr ausnahmsweise sehr ehrlicher Firmenname schon sagt. Bezüglich Zugriff auf die verschlüsselten Inhalte sage ich nur: «Cloud Act». Die WhatsApp-Verschlüsselung ist nicht Zero-Knowledge und Meta könnte rechtlich dazu verpflichtet werden, die Inhalte herauszugeben.
Die Schweizer Alternative
WhatsApp, Signal, Telegram oder auch Messages von Apple sind bequem und mehr oder weniger sicher. Die Krux an ihnen ist aber, dass sie bei allen guten Features amerikanisch oder russisch gesteuert sind.
Der eigentliche Pionier war aber Threema. Gegründet im Jahr 2012 aus einer grundsätzlichen Unzufriedenheit mit der damaligen unsicheren Messenger-Landschaft und deren Datensammelwut heraus. Initiiert von Manuel Kasper, später gemeinsam weiterentwickelt von Silvan Engeler und Martin Blatter, wurde Threema zum Insider-Tipp für sicherheitsbewusste Menschen. Ein Messenger, der kaum Daten sammelt, eine Zero-Knowledge-Verschlüsselung bietet und die Daten komplett in der Schweiz hostet, liess das Cyber-Security-Herz höher schlagen.
Threema wurde immer beliebter und bietet neben dem regulären Messenger auch eine Work-App (seit 2016). Seit 2022 ist Threema sogar für Armeeangehörige der verbindliche Messenger für dienstliche Kommunikation auf privaten Smartphones.
Das liebe Geld
Threema war schon immer eine Bezahl-App und finanzierte sich durch einmalige App-Käufe. Diese Einnahmen waren genug, um die Lichter anzubehalten, aber nicht, um nachhaltig zu wachsen. Während die App in der Schweiz einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte, blieb sie international bestenfalls ein Geheimtipp in der Tech-Bubble.
2020 stieg die Private-Equity-Firma Afinum bei Threema ein. Ziel: Ausbau und Professionalisierung der App, wie auch Erneuerung der Technologie. Im Januar 2026 wurde bekannt, dass Afinum seine Anteile verkauft, und zwar an Comitis Capital, eine weitere Private-Equity-Firma aus Deutschland.
Stabile Entwicklung oder finanzielle Optimierung?
Die News, dass Comitis Capital die Anteile von Afinum übernimmt, ist auch Grund für meinen Blogpost (zuvor war mir offen gesagt auch nicht bekannt, dass Threema zu Teilen einer Investmentfirma gehört). Denn auch wenn Threema folgende Aussage macht:
Es ändern sich primär die Besitzverhältnisse. Mission, Datenschutz-Fokus und Strategie sollen bestehen bleiben. Auch Standort (Pfäffikon SZ), Team und Geschäftsleitung sollen unverändert bleiben. Finanziert wird Threema weiterhin über App-Verkäufe sowie Lizenzen für Geschäftskunden, nicht über Werbung oder Datenverkauf.
so haben Investmentfirmen in der Regel nur ein Ziel: Profitoptimierung. Für mich stellt sich nun die Frage: Wie sieht die Zukunft von Threema aus? Bleiben Sie auf ihrem bisherigen Kurs oder werden sie zu einem WhatsApp-Klon, «verkaufsoptimiert»? Für Ersteres spricht, dass Datenschutz und Privacy längst ein Wachstumsmarkt sind und dass Threema von Bundesbehörden verwendet wird. Comitis kann Threema also als eine Langzeitinvestition und Portfolio-Diversifizierung anschauen. Dagegen spricht die Natur von Private-Equity-Firmen und deren Wunsch nach Wachstum und Umsatz.
Persönlich halte ich die Nachricht für interessant und werde die Entwicklung im Auge behalten.
Über mich
Alle Beiträge ansehenChristian Denzler ist Publishing-Spezialist mit über zwei Dekaden Erfahrung in der Schweizer Medien- und Publishingbranche. Seine Schwerpunkte liegen in Druckvorstufe, Web-to-Print, Multi-Channel-Publishing, datenbankgestützter Werbemittelproduktion, barrierefreien Inhalten, XML, Wissensmanagement und künstlicher Intelligenz.
Aktuell ist er als Application Manager Print Systeme bei CH Media, einem der führenden privaten Medienunternehmen der Schweiz, tätig und arbeitet dort an der Automatisierung von Publishing- und Zeitungsdruckprozessen. Dazu gehören das Erstellen von Workflows mit Enfocus Switch sowie der Einsatz von Systemen wie Asura von OneVision, PEIQ und huGO+ von Sternwald. In eigenen Projekten wie denzler.music verbindet er Prompting, Bildgenerierung und KI-gestützte Musikproduktion mit seiner Erfahrung in Gestaltung, Sprache und digitalen Workflows. Er ist Inhaber von denzler.media, Buchautor beim Rheinwerk Verlag und teilt sein Fachwissen als Blogger und Trainer. Seine Ausbildung umfasst den Polygraf EFZ, den eidgenössischen Fachausweis als Techno-Polygraf, Weiterbildungen in Multi-Channel-Publishing, Usability/UX an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Projektmanagement IPMA Level D sowie Digital Publishing Technologies mit Fokus auf XML, RAG und künstliche Intelligenz.











2 Kommentare
Danke für den Post und die Hintergrundinfos. Ich war auch nicht begeistert von der Nachricht. Dass allerdings die Entwicklung Richtung «Schluss mit Sicher?» geht (#klickbaittitle…), sehe ich nicht so – zumal die Datensicherheit ja der USP von Threema ist. Ich rechne eher mit einer monatlichen Bezahllösung oder generell einem Aufpreis. Aber das wäre es mir grundsätzlich wert.
Danke für den Kommentar und schön hast du etwas daraus mitnehmen können. Je nach Tagesform mag ich Klickbait-Titel (Schuldig im Sinne der Anklage). Jedoch stellt sich die Frage schon, wenn gewinnorientierte Investmentfirmen einsteigen.
Die Geldspritze kann Threema gebrauchen, zumal sie im c’t Magazin Test nicht um jeden Zweifel erhaben waren: https://youtu.be/W-S1fbJtcC8?si=GIFHxEEjlCVS8J7P&t=345
Ich nutze persönlich immer noch WhatsApp aus dem einfachen Grund, dass praktisch alle Gruppenchats und die meisten Bekannten nicht wechseln mögen. Schaue mir aber immer wieder Alternativen wie Element X oder TeleGuard an. Auch da aber das Problem: Niemand nutzt es.
Deine Vermutung ist ebenfalls eine gangbare Variante. Da wäre ich aber raus. Ich bezahle kein Abo für einen Messanger. Dann wechsle ich vorher auf Apple Messages mit RCS. Ich bin gespannt, wie sich Threema weiterentwickelt.